Vorsicht, Elch! In diesem Artikel erkläre ich, wie man sich bei Wildunfällen in Schweden richtig verhält.
Eine Kurzversion des Artikels habe ich ursprünglich bei schwedenstube.de veröffentlicht. Dies ist eine erweiterte und aktualisierte Version (Stand 2026).
So entstand das bekannte Elch-Warnschild
Der Elch gilt als Schwedensymbol schlechthin.
Für viele Touristen ist es ein Traum, im Urlaub dem König des Waldes zu begegnen, möglichst in freier Natur und nicht im Wildgehege.
Schweden können diese Elch-Begeisterung nur schwer nachvollziehen.
Sie staunen über die Elchaufkleber auf deutschen Autos und über Touristen, die nicht nur Elch-Tassen und jede Menge Plüschelche kaufen, sondern manchmal sogar Elch-Warnschilder abmontieren und als Souvenir mit nach Hause nehmen. (In manchen Gemeinden werden die Elch-Warnschilder sogar mit ein paar Schüssen durchlöchert, um sie unattraktiv zu machen.)
Der Designer des Elch-Schildes, Karl-Gustaf Gustafson, erschuf den Klassiker 1955 als Angestellter des schwedischen Straßenverkehrsamtes Vägverket (heute Trafikverket).
In einem Interview sagte er 2005, es sei schade, dass er nicht selbst das Copyright auf das Schild habe. So oft, wie es weltweit auf Produkten abgebildet wurde, wäre er dadurch Millionär geworden.
Neue Verkehrsschilder wurden auf einer eigenen Strecke getestet, dabei wurde überprüft, ob das Schild von Weitem, bei hoher Geschwindigkeit und im Dunkeln gut erkennbar war.
Da die Beine des Elchs in Gustafsons erster, eher naturgetreuer Version etwas schwer zu sehen waren, musste er sie dicker zeichnen. Der Elch wurde daraufhin von den Angestellen der Behörde „der dackelbeinige Elch“ genannt.
Gefährliche Elch-Unfälle vermeiden
Die langen Beine machen den friedlichen Elch zu einem unfreiwillig gefährlichen Gegner im Straßenverkehr.
Jedes Jahr gibt es vier- bis fünftausend durch Elche verursachte Unfälle, in Einzelfällen leider mit tödlichem Ausgang. Wenn die hochbeinigen, massiven Tiere durch die Windschutzscheibe krachen, kommt manchmal jede Hilfe zu spät.
Auf eine Begegnung mit den Tieren sind Schweden deshalb nicht unbedingt erpicht.
So könnt ihr das Risiko eines Elch-Unfalls verringern:
- Die Warnschilder ernst nehmen: Fahrt auf diesen Stecken besonders aufmerksam und bremsbereit.
- Die Zeiten kennen: Elche sind tagsüber aktiv, seid vor allem aufmerksam in der Morgen- und Abenddämmerung. Die Gefahr ist außerdem besonders groß im Mai/Juni (in dieser Zeit verstoßen die Elchkühe ihre einjährigen Kälber) und in der Brunftzeit im Herbst, wenn das Wild zusätzlich durch Jäger, Beerenpflücker oder Pilzsammler aufgescheucht wird.
- Außerdem beachten: In sehr schneereichen Wintern benutzen auch Elche gerne geräumte Wege. Denkt daran, dass auf ein Tier, das die Straße überquert, oft weitere folgen!
- Wenn ihr die Kollision mit dem Elch nicht vermeiden könnt: „Zielt“ auf die Hinterbeine des Tieres.
Richtiges Verhalten bei Wildunfällen in Schweden
Das müsst ihr bei einem Wildunfall beachten:
In Schweden besteht bei einer Kollision mit größeren Wildtieren eine gesetzliche Melde- und Markierungspflicht. Auch dann, wenn das Tier scheinbar unverletzt ist. Die Nicht-Meldung zählt als Fahrerflucht.
Als größere Wildtiere gelten Elch, Bär, Wolf, Luchs, Vielfraß, Hirsch, Reh, Otter, Wildschwein, Mufflon und Adler.
Eine Kollision mit einem Rentier muss ebenfalls gemeldet werden. (Rentiere gelten nicht als Wild, sie sind zwar freilaufend, gehören jedoch Züchtern.)
So geht ihr beim Wildunfall richtig vor:
- Warnt andere Verkehrsteilnehmer: (Warnblinkanlage einschalten, Warndreieck aufstellen)
- Meldet den Unfall sofort bei der Polizei unter tel. 112 und gebt dabei an, wo ihr euch befindet (gerne mit GPS-Koordinaten).
- Bringt eine gut sichtbare Markierung (Plastiktüte, Band o. Ä.) an der Unfallstelle an bzw. an der Stelle, wo das Tier in den Wald verschwunden ist.
In Schweden sind bei bilprovningen (TÜV) und auf jeder Polizeistation dafür vorgesehene orangefarbene Markierungs-Pappstreifen mit der Aufschrift „Viltolycka“ erhältlich, die man im Handschuhfach mitführt.
Sinn der Markierung ist es, einem Jäger mit Hund das schnelle Auffinden des Tieres zu ermöglichen, damit ein verletztes Tier nicht unnötig lange leiden muss. Daher ist es auch wichtig, den Standort so präzise wie möglich anzugeben.
Haltet außerdem ausreichend Abstand zu einem am Boden liegenden Tier, geht einem verletzten Tier nicht nach.
Bei einem Zusammenstoß mit Wolf, Bär, Wildschwein oder Luchs solltet ihr das Auto nicht verlassen! Fahrt 200 m weiter und befestigt dort eine Markierung. Teilt dies der Polizei mit.
Wer Elche oder anderes Großwild in direkter Nähe der Fahrbahn sieht, kann das der Verkehrsinformation melden (Tel.: (0)771-921 921, die Vorwahl für Schweden ist 0046). So können andere Verkehrsteilnehmer z. B. durch Radiodurchsagen gewarnt werden.
