Secondhand für einen guten Zweck

Der Artikel wurde ursprünglich bei schwedenstube.de veröffentlicht. Dies ist eine erweiterte und aktualisierte Version (Stand 2026).

Eine schöne Lampe für 30 Kronen, Schlittschuhe für 50 oder eine originelle Handtasche für 60? Kein Problem, das alles findet man in den schwedischen Secondhandläden, die es in fast jeder Stadt gibt.

Schon lange vor der allgemeinen Retro- und Recycling-Welle war es in Schweden weit verbreitet, in diesen Läden einzukaufen.

Wenn ich vor Jahren deutschen Bekannten erzählte, wir hätten einen Teil unserer Möbel aus dem Secondhandladen, wurde ich manchmal fast schief angesehen: „Echt? Habt ihr das nötig?“

Doch darum geht es den meisten Schweden ja gar nicht.

Viele der schwedischen Secondhandläden arbeiten nämlich für einen guten Zweck.

Oft werden sie von der Kirche, vom Roten Kreuz oder von Hilfsorganisationen betrieben. Die Waren sind gespendet, das Personal arbeitet ehrenamtlich oder im Rahmen eines arbetstränings der Arbeitsvermittlung und der Gewinn wird in soziale Projekte gesteckt.

Zwei Beispiele:

Die Organisation Myrorna, hinter der die schwedische Heilsarmee steht, betreibt 30 Läden in Schweden und ist politisch beratend im Bereich Kreislaufwirtschaft tätig. Der Erlös aus den Läden kommt Menschen in Not in Schweden zu Gute.

Erikshjälpen wurde 1946 vom 17-jährigen Erik Nilsson gegründet, der chronisch krank war und anderen kranken Kindern helfen wollte.

Die Organisation setzt sich für die Rechte von Kindern in mehreren Ländern ein und betreibt 50 Secondhand-Läden in Schweden und Norwegen. Unterstützt werden vor allem Projekte, bei denen es um Bildung, Gesundheit, Kinderschutz und Hilfe zur Selbsthilfe für Familien geht.

In solchen Secondhand-Läden einzukaufen ist also eine gute Tat. Wenn man dabei noch Geld spart und mit dem Schnäppchen außerdem die Umwelt schont, umso besser.

Und in so mancher Behausung der sehr Einrichtungs- und Design-interessierten Schweden sind die originellen Sessel oder die alte Stehlampe aus dem Secondhandladen das, was der Einrichtung erst den richtigen Charme verleiht und den Nachbarn neidisch macht.


Bei uns ist der örtliche Secondhandladen ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Stadt. Eine engagierte Truppe Freiwilliger nimmt die gespendeten Waren entgegen, sortiert und verkauft sie.

Hier arbeiten viele Rentner und auch einige Einwanderer, die sich noch in der Sprachausbildung befinden. Beide Gruppen kommen so unter die Leute. Der Laden hat zweimal pro Woche geöffnet und ist immer sehr gut besucht, die Kunden kommen aus allen Gesellschaftsschichten.

Nach der Schnäppchenjagd kann man sich noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen gönnen.


Einen weiteren Vorteil haben diese Läden – es fällt einem plötzlich viel leichter, zu Hause auszumisten. Dinge, die nur deshalb noch irgendwo herumstehen, weil sie zum Wegwerfen zu schade sind, gibt man einfach im Secondhandladen ab und schlägt so mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Getreu dem Sprichwort Den enes skräp är den andres skatt – Der Krempel des einen ist für den anderen ein Schatz.