Unsere Klassenoma ist klasse! – Senioren an schwedischen Schulen

Der Artikel wurde ursprünglich bei schwedenstube.de veröffentlicht. Dies ist eine aktualisierte Version (Stand 2026).

Rentner Leif geht wieder in die Schule.

Als Klassenopa einer zweiten Klasse hilft er den Schülern beim Lesenüben und Rechnen, geht mit in die Schulkantine und schwingt auf dem Pausenhof das große Hüpfseil.

Die Idee zum Projekt „Seniorer i skolan“ (SIS) entstand 2002 in Karlskrona, von dort aus hat sich die Initiative in Schweden verbreitet. Karlskrona bildet interessierte andere Gemeinden aus.

Seit 2009 gibt es SIS auch in Dänemark und Lettland.

Die Senioren arbeiten ehrenamtlich, so viele Stunden pro Woche, wie sie möchten. Üblich ist es, dass man „seine“ Klasse einen Tag in der Woche begleitet.

Wer teilnehmen will, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen und einen Einführungskurs absolvieren. Dabei können sich die Senioren untereinander kennenlernen und die Ausbilder bemerken, wer eventuell für die Aufgabe doch nicht geeignet ist. Danach gibt es regelmäßige Treffen für den Erfahrungsaustausch.

Die „Klassenomas“ und „Klassenopas“ sollen keine Extralehrer sein. Den Lehrer ersetzen und unterrichten dürfen sie nicht. Ihre genauen Aufgaben sprechen sie mit den Unterrichtenden ab.

Wichtig ist die Begegnung der Generationen: Die Lebenserfahrung und Kompetenz der Senioren soll genutzt werden, um Schüler und Lehrer zu unterstützen.

In schwedischen Schulen arbeiten die Schüler oft selbständig nach dem Freiarbeitsprinzip, da ist es hilfreich, wenn ein zweiter Erwachsener im Raum ist.

Die Omas und Opas sind im Unterricht dabei und können z. B. neben einem Kind sitzen, das Konzentrationsschwierigkeiten hat. Allein die Anwesenheit eines ruhigen Erwachsenen kann da helfen.

Sie können mit kleinen Gruppen oder mit einzelnen Schülern lesen üben, im Werk- oder Handarbeitsunterricht helfen, in der Pause oder der Schulkantine dabei sein.

Oder einfach nur da sein, zuhören oder trösten.

Ein Erwachsener, der Ruhe ausstrahlt und keine Anforderungen an die Schüler stellt. Die Senioren tragen so zu einem entspannteren Schulklima bei.

Fragt man Lehrer, Senioren und Schüler nach ihren Erfahrungen, so sind alle begeistert.

„Vergiss Anti-Faltencremes und Vitamintabletten, die Schüler halten dich jung. Es reicht, wenn du einfach da bist“, meint Inger aus Kallinge.

Die Begegnung der Generationen geschehe heute nicht mehr so häufig und selbstverständlich wie früher, meint eine andere. Viele Senioren seien einsam und fühlten sich nach der Verrentung plötzlich nutzlos, obwohl sie noch viel zu geben hätten. Gleichzeitig gäbe es in der Schule einen Bedarf.

Und viele ausländische Kinder träfen die eigenen Großeltern selten oder nie. Da könne eine Klassenoma eine wichtige Rolle spielen.

Eine befragte Lehrerin berichtet lachend, man müsse manchmal mit einer Eingewöhnungsphase rechnen. „Einmal hatte ich eine Seniorin, die hat zu Beginn selbst eifrig im Unterricht mitgemacht und immer die Hand hochgestreckt. Als ich sie vorsichtig darauf hinwies, hat es dann super funktioniert.“

Und die Schüler lieben ihre Klassenoma oder ihren Klassenopa. An unserer Schule ist der 72-jährige Jan Andersson tätig, ein ehemaliger Techniker, der beruflich viel in der Welt herumgekommen ist.

Gebannt hören die Kinder zu, wenn er davon erzählt, wie Kinder in anderen Ländern aufwachsen. Sie löchern Jan mit Fragen nach seiner eigenen Kindheit und können sich kaum vorstellen, dass es damals weder Computer noch Handys gab.

Jan kann gut erzählen und gut zuhören. Dass er außerdem super in Mathe und Englisch ist, ist für die Schüler nicht das Wichtigste.