So funktioniert Schule in Schweden, Teil 2: Klasse 1-6

Schule in Schweden

Einleitung

Hej! Hier kommt der zweite Teil meiner sehr ausführlichen Artikelreihe zum schwedischen Bildungssystem.

Ich beschreibe, wie es an einer schwedischen låg- och mellanstadieskola (Klasse 1-6) zugeht.

Einiges wird dich erstaunen. Schwedische Eltern schaffen zum Schuljahresbeginn keine Schreibhefte an, sondern Gummistiefel. Komm einfach mal mit! 😊

Vor der ersten Klasse besuchen im Moment alle Kinder in Schweden die förskoleklass, ein Übergangsjahr zwischen Kindergarten und Schule. In der ersten Klasse fangen sie dann mit sechseinhalb oder sieben Jahren an.

Inhalt


Schaubild schwedisches Schulsystem

So, jetzt geht es richtig los. 😊

Viel Vergnügen beim Lesen! Schreibe mir gerne von eigenen Erfahrungen in den Kommentaren.

Das låg- und mellanstadiet (Klasse 1-6)

Ich zähle in lockerer Reihenfolge einige Besonderheiten der schwedischen Grundschule auf und erzähle von unseren eigenen Erfahrungen.

In Deutschland ist die Einschulung der Erstklässler eine große Sache. Die Eltern nehmen Urlaub, die Großeltern sind anwesend, es gibt eine Schultüte und zu Hause wird vielleicht noch gefeiert, dass nun „der Ernst des Lebens“ beginnt.

In Schweden verläuft die Einschulung der Schulanfänger völlig unspektakulär. Es gibt nicht mal ein eigenes Wort dafür.

Gegen Ende der Sommerferien fangen die Kinder nach und nach in der angegliederten Betreuung (siehe unten) an, je nachdem, wann die Eltern nach dem Urlaub wieder arbeiten.

Am ersten „richtigen“ Schultag wird meiner Erfahrung nach nur schulintern gefeiert. Vielleicht gibt es für alle ein Eis und dazu lustige Spiele auf dem Schulhof. Von einer großen Eröffnungsfeier mit den Eltern habe ich noch nie gehört. (Schreibe mir gerne in den Kommentaren, wenn du andere Erfahrungen gemacht hast!)

Unsere Kinder bekamen trotzdem eine kleine Schultüte. Wenn man schon mit zwei Kulturen aufwächst, kann man ja das Beste aus beiden Welten nehmen … 😉

Übrigens: einen teuren Schulranzen müsst ihr nicht besorgen, oft bekommt man von der Schule einen passenden Rucksack (mit Laptop-Fach).


Statt des ersten ist der letzte Tag eines Schuljahres, die sogenannte skolavslutning, heilig. Hier sollte man sich frühzeitig erkundigen, wann die stattfindet, und den Tag frei nehmen. Das machen alle schwedischen Eltern so und man will nicht, dass das eigene Kind einsam und weinend in der Menge steht …

Am Tag der skolavslutning ist kein Unterricht. Stattdessen treffen sich Schüler, Eltern und Lehrer in sommerlichen Outfits auf dem Schulhof oder in der Kirche (die in diesem Fall keine religiöse Rolle spielt, sondern nur als großes Versammlungslokal dient).

Die Klassen treten nacheinander auf und trällern Sommerlieder, die Sechstklässler werden verabschiedet und zum Schluss singen alle gemeinsam Den blomstertid nu kommer, genau wie im Bullerbü-Film. (Hier kannst du schon mal üben.) Ohne dieses Lied kein richtiges Feriengefühl.

Im Anschluss erhalten die Klassenlehrer/innen von den Klasseneltern einen Blumenstrauß und man macht noch ein paar Erinnerungsfotos.

Dann geht man nach Hause, isst Eis oder Erdbeerkuchen und weiß: Nu är det SOMMARLOV!

Wer schreibt hier?
Christina ist Lehrerin, Sprachtrainerin und Übersetzerin. Sie lebt seit über 18 Jahren in Schweden. Mehr über sie erfährst du hier.


In schwedischen Schulen sind die jüngeren Kinder viel draußen. Dass Schüler in anderen Ländern bei Regen in der Pause im Schulhaus bleiben, ist für Schweden unverständlich. Wozu gibt es denn Regenkleidung und Gummistiefel? Und Pfützen sind doch etwas Lustiges!

Und nicht nur in der Pause ist man draußen. Es gibt immer wieder Ausflüge, wo die Lehrer mit ihrer Kinderschar und dem Bollerwagen in den Wald ziehen, um dort Insekten zu beobachten oder Abenteuer zu erleben.

Entsprechend muss man seine Kinder mit Regenjacke, Regenhose, Gummistiefeln und Ersatzkleidung ausrüsten, die im Flur vor dem Klassenzimmer aufbewahrt werden. Dort gibt es oft auch einen Trockenschrank, in dem nasse Kleidung aufgehängt wird.

Privat sind die Kinder leider längst nicht so viel an der frischen Luft, wie man sich das wünschen könnte. Viele werden mit dem Auto zur Schule gebracht, statt selbst mit dem Rad zu fahren.
Und schon in der ersten Klasse sind viele kleine Schweden stark „digitalisiert“ und verbringen enorm viel Zeit auf TikTok usw.
Dass schwedische Kinder alle glücklich in der Natur spielen, ist leider nur eine romantische Vorstellung.


Kinder, die vor oder nach dem Unterricht betreut werden müssen, sind in dieser Zeit im fritidshem, kurz fritids, das der Schule angegliedert ist. Wer früh kommt, erhält hier auch Frühstück, nachmittags gibt es eine Zwischenmahlzeit.

Einen Platz erhalten Kinder, deren Eltern beide berufstätig, arbeitssuchend oder in Ausbildung sind.

Die Kosten richten sich (wie auch im Kindergarten) nach dem Einkommen der Eltern, die Betreuungszeiten rein nach ihren Arbeitszeiten plus Wege.
Jemand, der wenig verdient, aber viel arbeitet, zahlt also wenig und bekommt viel Betreuungszeit. Für Alleinerziehende in weniger gut bezahlten Jobs ist das eine große Hilfe.

Die entsprechenden Zeiten, die auch von Woche zu Woche variieren können, gibt man üblicherweise online ein. Bei Verdacht auf Ausnutzung des Systems kann die Schule beim Arbeitgeber nachfragen.

Im fritids wird gespielt und gebastelt, mit Lego gebaut oder getanzt, Fußball oder Tischtennis gespielt usw. Bei Schulausflügen geht oft jemand aus dem fritids als Begleitperson mit, auch auf dem Pausenhof ist fritidspersonal mit dabei.


In Schweden gilt das Prinzip, dass Schule die Familien nichts kosten darf. Bildung soll für alle unabhängig vom Einkommen verfügbar sein.

Neben dem reinen Schulbesuch ist daher auch das tägliche warme Mittagessen für alle Schüler kostenfrei (d. h. steuerfinanziert, dies ist nur in Schweden und Finnland so).

Die Schulen haben eine Kantine, in der sich die Schüler an der Essensausgabe üblicherweise selbst „schöpfen“. Nebendran gibt es meist noch eine Knäckebrot-und-Butter-Station und Getränkespender, aus denen man Wasser oder Milch zapft. Kalte Milch ist auch unter Erwachsenen als Getränk zum Essen nicht unüblich.

Und nicht nur die Schulbücher werden von der Schule ausgeliehen, auch sonstiges Arbeitsmaterial stellt die Schule zur Verfügung, so lange die Kinder schulpflichtig sind.

Wenn man schwedischen Freunden die langen Anschaffungslisten zeigt, die von Schulen in anderen Ländern zu Beginn des Schuljahres ausgegeben werden, machen sie große Augen!

In schwedischen Schulen funktioniert das so:

Buntstifte, Scheren, Lineale usw. gibt es in einer Box im Klassenzimmer, genauso wie später kleine Taschenrechner. Dazu erhält jedes Kind einen eigenen Druckbleistift und ein Radiergummi. Ein Schreibheft/einen Collegeblock bekommt man vom jeweiligen Fachlehrer.

In Schweden schreiben die Schüler also nicht mit dem Füller, sondern mit dem Bleistift.

Wenn sie denn überhaupt von Hand schreiben und nicht am Laptop sitzen. Da von den jetzt jugendlichen Schülern ein zu großer Teil nicht richtig schreiben kann, soll im Anfangsunterricht nun wieder vermehrt selbst geschrieben werden.

Das Schreiben mit dem Bleistift hat Vor- und Nachteile. Es ist kostengünstig und man kann leicht radieren, macht sich selbst vielleicht dadurch weniger Druck, dass es gleich richtig werden muss. Allerdings braucht es etwas mehr Kraft, was auf Dauer anstrengend werden kann, und die hellgraue Schrift ist auf weißem Papier nicht immer gut lesbar. Viele der älteren Schüler kaufen daher radierbare Tintenschreiber (deren Patronen super-teuer sind).

Einen Schulranzen wie in Deutschland üblich gibt es in Schweden nicht. Die Kindern verwenden einen normalen Rucksack (mit Laptop-Fach), der in unserer Gemeinde auch von der Schule gestellt wird. Bücher und Hefte bleiben eh meist in der Schule.

Zu guter Letzt ist auch die Fahrt mit dem Schulbus in die nächstgelegene Schule für schulpflichtige Schüler kostenlos, wenn sie weit genug von dieser Schule entfernt wohnen. Das Einzugsgebiet ist auf dem Land manchmal sehr groß.


In den ersten Klassen war ich erstaunt, dass unsere Kinder so wenig schriftliche Hausaufgaben hatten.

Als Eltern sollten wir mit den Kindern regelmäßig lesen üben. Zunächst das jeweilige Kapitel im Lesebuch, später ein kleines Stück in einem für das Kind passenden Büchlein. Das Einmaleins wurde mit einem Würfelspiel oder mit Spielkarten geübt. Wörter schreiben oder schriftliches Rechnen hatten wir als Hausaufgabe eher selten.

An vielen Schulen sind inzwischen „Wochenhausaufgaben“ üblich: Man soll möglichst täglich ein wenig Lesen üben, dazu gibt es ein Blatt mit schriftlichen Aufgaben, für die man eine Woche Zeit hat.

Auch in den höheren Klassen gab es bei unseren Kindern kaum klassische Mathe-Hausaufgaben aus dem Lehrbuch oder schriftliche Englisch-Übungen. Schriftliches wurde in der Schule erledigt. Nahmen wir zumindest an. 😉

Dadurch, dass Hefte und Bücher in der Schule bleiben und auch Klassenarbeiten nach der Korrektur nicht zur Einsicht mit nach Hause gegeben werden, hat man als Eltern nämlich nur sehr begrenzt Einblick in das, was das Kind in der Schule tatsächlich so macht.

In den höheren Klassen erfährt man, wie es „läuft“ (wenn es das Kind nicht selbst erzählt) erst über die Beurteilungen, die die Fachlehrer zwei bis dreimal pro Jahr ins digitale Mitteilungssystem legen, oder über das utvecklingssamtal (Entwicklungsgespräch).


Was mir sehr, sehr gut gefallen hat:

Als die Schüler einigermaßen lesen konnten, wanderte die ganze Mannschaft einmal im Monat in die Bibliothek. Dort stellte die Bibliothekarin ein paar interessante Bücher vor, dann durften alle eine Weile herumstöbern und am Ende musste jeder 3 selbst gewählte Bücher ausleihen.

Jeden Morgen bestand die erste Viertelstunde des Schultages dann aus „selbständigem Lesen“ dieser Bücher.

Die einen lasen dabei dünne Comics, die anderen dicke Schmöker. Jeder nach seinem Vermögen und Interesse. Wer mit einem Buch fertig war, füllte das Buchtagebuch aus: Titel und Autor des Buches? Was hat mir gefallen/nicht gefallen? Male eine Szene aus dem Buch.

Auch in höheren Klassen ist es üblich, dass im Schwedisch- oder Englischunterricht mal eine Stunde lang „nur“ alle dasitzen und das aktuelle Buch lesen. (Das klingt gut, hat aber leider auch damit zu tun, dass viele die Texte als Hausaufgabe einfach überhaupt nicht lesen.)


Neben Schwedisch, Mathematik und Englisch haben die Schüler Kunst, Sport, Musik, NO (Naturkunde), SO (Gesellschaftskunde) und Werken.

Englisch wird zunächst sehr spielerisch unterrichtet, recht bald werden jedoch schon kleine Büchlein gelesen und kurze Filme geschaut. Die Sprache wird eher ganzheitlich gelernt, d. h. es geht eher darum, das Englische „aufzuschnappen“ und sich daran zu gewöhnen. Explizit Vokabeln geübt oder Grammatik erklärt wird seltener, als ich es aus Deutschland kenne.

Das funktioniert für viele Schüler recht gut, auch, weil sie im Internet und im Fernsehen – wo Filme nicht synchronisiert, sondern untertitelt sind – vom Englischen regelrecht „umspült“ werden.

In Gesellschaftskunde geht es nicht nur um Themen wie „die Arbeit der Feuerwehr“ oder „Leben in der Steinzeit“, sondern sehr früh auch um Menschenrechte, Kinderrechte, Mitbestimmung und Engagement.

Im Werkunterricht lernen die Kinder in richtigen Werkstätten die Grundlagen der Holzbearbeitung.

Sport heißt als Unterrichtsfach idrott och hälsa, also Sport und Gesundheit. Hier geht es auch um gesunde Ernährung, Schlaf, Stress usw.

Ein wichtiger Teil des Sportunterrichts ist Schwimmen. Ans Wasser ist es in Schweden nie weit, viele verbringen ihre Freizeit an den zahlreichen Seen oder an der Küste. Dass alle früh und gut schwimmen können, ist also wichtig.

Die meisten Kinder besuchen im Alter von ca. 4-6 Jahren einen Schwimmkurs (simskola), offiziell trägt jedoch die Schule die Verantwortung dafür, dass alle Kinder schwimmen lernen und Rettungssituationen am und im Wasser üben.

Übrigens: schwimmen heißt simma. Ohne „w“. Das Wort svimma gibt es auch, das heißt aber ohnmächtig werden. 😊

Du willst vielleicht Schwedisch lernen? Hier bekommst du einen kleinen Vorgeschmack 🙂


Elternabende werden meist einmal pro Halbjahr abgehalten, manchmal auch nur zu Beginn des Schuljahres. Dabei sind häufig nur die Klassenlehrer anwesend, manchmal kommen die Schulkrankenschwester oder ein specialpedagog vorbei. Dass sich Fachlehrer vorstellen, ist unüblich.

Infos zu Schulkrankenschwester und specialpedagog findest du im nächsten Teil der Artikelserie. >> Teil 3: das högstadiet (Klasse 7-9)

Einen Elternbeirat gibt es nur an wenigen Schulen, man muss also keine Angst haben, zum Elternvertreter gewählt zu werden.

Das Entwicklungsgespräch

Jedes Halbjahr hat man außerdem ein utvecklingssamtal mit Kind, Klassenlehrer/in und mindestens einem Elternteil. Dabei geht es, wie der Name schon sagt, um die Entwicklung des Kindes – und zwar die komplette menschliche Entwicklung, nicht nur um die Mathenoten!

Fühlt es sich in der Schule wohl? Hat es Freunde? Wie erlebt es die Klassengemeinschaft? Kommt es mit den Lehrern klar? Hat es Stress/Angst? Gibt es in der Familie Veränderungen?

Dann geht man die einzelnen Fächer kurz durch: Wo läuft es gut, wo gibt es Probleme, wie kann man dem Kind helfen? Am Ende wird ein „Entwicklungsziel“ für das kommende Halbjahr aufgeschrieben.

Welche Schulfächer deutschsprachigen Schülern bei einem Umzug nach Schweden eher leicht/schwer fallen, beschreibe ich hier: Teil 5: Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert.


Auf einem meiner ersten Elternabende meinte die Klassenlehrerin so nebenher, das Formular für ledighetsansökan könne man bei ihr bekommen.

Ich staunte und fragte zur Sicherheit hinterher nach: Konnten die Schüler tatsächlich frei nehmen?

Es stellte sich heraus, dass Schüler für private Angelegenheiten „Urlaub“ beantragen konnten. Und zwar nicht nur für Dinge wie die Teilnahme an Hochzeiten, Beerdigungen oder Sportwettkämpfen. Nein, auch Urlaubsreisen nach Thailand wurden genehmigt. Argument: Die sind ja außerhalb der Schulferien billiger, manche Familien könnten sich das sonst nicht leisten.

Kann man in der schwedischen Schule einfach frei nehmen? Erfahrungen einer Lehrerin und Mutter mit dem schwedischen Schulsystem.

Für die Familien war das natürlich praktisch, für die Lehrer aber sehr nervig, wenn immer wieder Schüler fehlten, weil sie irgendwo am Strand lagen. (Oder weil sie einen Welpen bekommen hatten, der sich jetzt eine Woche lang an sie gewöhnen musste! Das habe ich in meinem ersten Jahr als Lehrerin erlebt. 😁)

Inzwischen sind die Schulen bei der Genehmigung der Anträge restriktiver. Bevor man das Formular erhält, wird man nun deutlich an die Schulpflicht erinnert und darauf hingewiesen, dass die Schüler wichtigen Stoff verpassen und man sich das mit einer längeren Abwesenheit doch gut überlegen sollte.

Ob eine mehrtägige Beurlaubung genehmigt wird, liegt letztendlich im Ermessen der Schulleitung. Dass die einzelnen Schulen dabei mehr oder weniger streng sind, gibt regelmäßig Anlass zu heißen Diskussionen.

Viele Familien fahren übrigens trotz abgelehntem Antrag in Urlaub. Rechtliche Folgen hat das selten, manche Gemeinden verhängen eine Geldstrafe.


Noten gibt es in der schwedischen Schule ab der sechsten Klasse.

A ist die Bestnote, dann geht es weiter mit B, C, D und E (gerade noch bestanden). F ist nicht bestanden.

Als ich 2011 hier als Lehrerin anfing, gab es Noten erst ab der achten Klasse und ich weiß noch gut, wie besorgt Eltern und Lehrer bei Einführung der Neuerung waren: Würden die Sechstklässler diesen Druck verkraften?

Außerdem gab es damals nur vier Noten: Sehr gut bestanden, gut bestanden, bestanden und nicht bestanden (mvg, vg, g und ig). Eigentlich absolut ausreichend. Jemand, der einen kleinen Tick „besser“ ist, muss doch nicht deshalb eine „zwei plus“ bekommen. Je mehr aufgedröselt die Bewertung ist, desto mehr kämpft und diskutiert man um jeden Punkt und desto mehr Leistungsdruck entsteht.

Bald sollen diese Buchstaben-Noten wieder verschwinden, stattdessen werden Zahlen-Noten von 1 bis 10 eingeführt. Überhaupt gibt es bei den Schulvorschriften relativ häufig Änderungen, die mal mehr und mal weniger durchdacht sind.

In der dritten und sechsten Klasse (und später im högstadiet und gymnasiet) werden nationella prov in den wichtigsten Fächern durchgeführt. Das sind schwedenweit einheitliche Tests, mit denen überprüft wird, ob die Schüler die Lehrplanziele erreicht haben.

Bei den jüngeren Schülern dienen sie hauptsächlich dazu, Förderbedarf sichtbar zu machen und den Lehrern Feedback zu ihrem Unterricht zu geben.

Einen Einfluss auf die weitere Schullaufbahn haben die nationella prov und die Noten in der sechsten Klasse nicht, da eh alle Schüler anschließend die Gesamtschule högstadiet besuchen.

Hier entfällt also sehr viel Leistungsdruck, den ich aus Deutschland kenne, wo Viertklässler mit Nachhilfe aufs Gymnasium gepusht werden.

Auch später erlebe ich in Schweden viel weniger Druck. Die Schüler klagen in den höheren Klassen zwar häufig über Stress, der entsteht aber manchmal auch durch schlechte Organisation. Sowohl von Seiten der Schüler, die den Überblick verlieren und Aufgaben aufschieben, als auch von Seiten der Schule, die Aufschieberei leider recht einfach macht.

Schwedische Eltern machen im Vergleich zu deutschen Eltern sehr wenig Leistungsdruck, viele sind zufrieden, wenn die Kinder kein F bekommen.

Fazit:

In den unteren Klassen der schwedischen Schule geht es entspannter zu als in den deutschsprachigen Ländern.

Es wird regelmäßig Zeit im Freien verbracht und praktisch gehandwerkt und gebastelt. Noten gibt es erst sehr spät und sowohl Schule als auch Eltern machen deutlich weniger Leistungsdruck.

Allerdings klagen ruhigere Schüler immer wieder über mangelnde Disziplin und Lärm im Klassenzimmer.


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Hier geht es weiter:

Teil 3: So funktioniert die schwedische högstadieskola (Klasse 7-9)


Teil 1: Das schwedische Bildungssystem

Teil 4: Die Schule für 16-19-Jährige

Teil 5: Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert

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