Wie funktioniert Schule in Schweden? – Alles, was du wissen musst.

Wie funktioniert das schwedische Schulsystem?

Einleitung

Das schwedische Schulsystem ist ein gutes Beispiel für ein Phänomen, das ich den Nachbarland-Bias nenne.

Man denkt ”Das wird schon so ähnlich sein wie bei uns.”

Auf den ersten Blick scheint es das auch, auf den zweiten Blick merkt man, dass vieles ganz anders ist.

Im Internet findet man zum Thema Schule in Schweden leider teilweise veraltete Informationen auf Deutsch, teilweise falsch übersetzte Begriffe (im Bildungsbereich gibt es jede Menge false friends), die Vorstellung, in Schweden sei alles besser, und manchmal auch Wunschdenken. So habe ich schon mehrmals gelesen, in Schweden sei homeschooling bzw. Freilernen möglich – nein, das ist es nicht. Stand 2026.

Ich möchte hier aktuelle Informationen zum schwedischen Bildungssystem bieten und den Aufbau und die organisatorischen Unterschiede zu Deutschland erklären. Dabei bin ich mir bewusst, dass es das deutsche Schulsystem durch die Kulturhoheit der Länder eigentlich nicht gibt.

Ausserdem beschreibe ich, wie es in einer schwedischen Schule ”zugeht”.

Vieles läuft nämlich anders ab, als es Deutsche, Schweizer oder Österreicher gewohnt sind. Das geht von der Einschulung über die Hausaufgaben, die Notengebung, die Kosten, die Einflussnahme und Einsicht der Eltern bis zur Abschlussfeier und den Übergang ins Berufsleben oder Studium.

Dabei gehe ich auch darauf ein, welche Vorteile und Nachteile das Schulsystem in Schweden meiner Meinung nach hat, und berichte von meinen persönlichen Erfahrungen als Mutter und Lehrerin an verschiedenen schwedischen Schulen. In Schweden ist vieles anders, manches gut aber nicht alles besser.

In folgendem Artikel erkläre ich außerdem, wie dein Kind bei einem Umzug nach Schweden in das dortige Schulsystem integriert wird: Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert.

Ich möchte mit meinem sehr ausführlichen Artikel zum schwedischen Bildungssystem sowohl Eltern informieren, die mit ihren Kindern nach Schweden umziehen (oder die darüber nachdenken), als auch interessierte Lehrer und Schulverantwortliche inspirieren.

Man muss das Rad nicht überall neu erfinden. Wer andere Systeme mit ihren Vor- und Nachteilen tiefer kennenlernt, kann Fehler, die dort gemacht wurden, selbst vermeiden. Und die guten Ansätze kann man übernehmen und an das eigene System anpassen.

Inhalt

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So ist das schwedische Schulsystem aufgebaut

Im Moment (2026) ist das schwedische Schulsystem so aufgebaut:

Nach dem Kindergarten (förskola) kommen die Kinder mit 6 oder knapp 6 Jahren in die förskoleklass. Das ist ein Übergangsjahr zwischen Kindergarten und Schule, das alle Kinder besuchen. Seit 2018 ist der Besuch der förskoleklass Pflicht.

Danach erfolgt der Besuch der grundskola genannten Pflichtschule. Sie umfasst die Klassen 1 bis 9 (ca. 7 bis 16 Jahre) und schreitet in Dreierschritten voran:

Klasse 1-3 heißen lågstadiet (wörtlich Unterstufe)

Klasse 4-6 heißen mellanstadiet (wörtlich Mittelstufe)

Klasse 7-9 heißen högstadiet (wörtlich Oberstufe)

Ein Lehrerwechsel findet so normalerweise jedes dritte Jahr statt.

Traditionell befinden sich förskoleklass, lågstadiet und mellanstadiet an einer Schule, danach wechseln die Schüler im Alter von 12 bis 13 Jahren an eine högstadieskola. In manchen Gemeinden erfolgt der Wechsel bereits zur sechsten Klasse. (Da die zweite Fremdsprache seit einigen Jahren ab Klasse 6 unterrichtet wird.)

Im högstadiet (Klasse 7-9) werden alle Schüler gemeinsam unterrichtet. Eine Aufteilung in verschiedene Schulformen wie in Deutschland erfolgt nicht, eine Aufteilung nach Leistungsgruppen in bestimmten Fächern (wie an deutschen Gesamtschulen z. B. in Mathematik üblich) erfolgt ebenfalls nicht. Sie ist ausdrücklich unerwünscht. Für die Binnendifferenzierung des Unterrichts und die individuelle Anpassung des Schwierigkeitsgrades sollen die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer sorgen.

Nach dem högstadiet wechseln im Prinzip alle Schüler aufs gymnasiet. Das sorgt in den deutschsprachigen Ländern immer wieder für Verwirrung.

Ein schwedisches gymnasiet ist nämlich kein „Gymnasium“, sondern ganz einfach eine „Schule für 16-19-Jährige“, die verschiedene Ausbildungszweige anbietet.

Einige dieser Zweige sind berufsbildend (und entsprechen damit der deutschen Berufsschule plus einem Teil der berufspraktischen Ausbildung), andere sind hochschulvorbereitend (und entsprechen damit der deutschen gymnasialen Oberstufe).

Den studenten genannten Schulabschluss machen die Schüler dort dann mit 18 oder 19 Jahren. Je nachdem, welchen Zweig und welche Kurse sie gewählt haben, haben sie damit Zugang zu verschiedenen weiterführenden Ausbildungen.

Schüler, die von einer starken geistigen/kognitiven Beeinträchtigung betroffen sind, besuchen in Schweden die anpassad grundskola/gymnasieskola.

Schüler mit sehr starken körperlichen Beeinträchtigungen können eine specialskola besuchen.

Außerdem gibt es mancherorts noch die resursskola, die keine eigene Schulform ist, sondern als eine Art „Unterabteilung“ einer grundskola oder anpassad grundskola Schüler aufnimmt, die sehr umfassenden Unterstützungsbedarf haben (z. B. Autismus, grundsätzliche Kommunikationsschwierigkeiten, besondere Erkrankungen).

Alle anderen Kinder besuchen in Schweden die normale staatliche Schule.


Hier nochmal die Übersicht als Grafik:

Die verschiedenen Bezeichnungen sind gerade für Deutsche sehr verwirrend, weil vieles ähnlich heißt, aber etwas anderes bedeutet!

Wenn in Schweden von der grundskola die Rede ist, sind damit also die Klassen 1-9 gemeint.

Eine deutsche Grundschullehrerin (der Klassen 1-4) entspricht in Schweden am ehesten einer lågstadielärare.

Und ein Schüler, der in Schweden das gymnasiet besucht, muss nicht die hellste Kerze auf der Torte sein. 😊 (Durch die deutsche Presse geistert immer wieder, das schwedische Schulsystem sei so toll, dass fast alle Schüler das Gymnasium besuchten …)

Besonders aufpassen muss man bei automatisch generierten Übersetzungen im Internet.

Högstadiet” wird von der KI gerne wörtlich (und falsch) mit ”Oberstufe” übersetzt. Es handelt sich jedoch um die ”Oberstufe” der 9-jährigen Pflichtschule und damit um die Entsprechung der deutschen ”Mittelstufe”.

Und nicht nur für Deutsche sind die Begriffe verwirrend.

Wenn deutsche Eltern den schwedischen Lehrern erzählen, ihr Kind habe in Deutschland die 7. Klasse des Gymnasiums besucht, dann verstehen die Schweden oft nur Bahnhof.

Hier erkläre ich, wie der Start in einer schwedischen Schule konkret abläuft: >> Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert

Grundsätzliche Kennzeichen der schwedischen Schule

In Schweden gilt in der Schule, wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, das Gleichheitsprinzip. Alle sollen die gleichen Chancen erhalten, Bildung darf keine Frage des Geldes und keine Frage der Unterstützung durch die Eltern sein.

Finanzierung von Schulbus, Mensa, Schulmaterial

Daher ist vieles, was in anderen Ländern für die Familien mit Kosten verbunden ist (Schulbus, Arbeitsmaterial, Mensa), in Schweden steuerfinanziert. Einkommensschwache Familien werden durch den Schulbesuch der Kinder so nicht noch zusätzlich belastet.

Förderung von Schülern mit Lernschwierigkeiten

Das Prinzip gilt auch für die Förderung von Schülern mit Lernschwierigkeiten, die komplett in der Schule erfolgt. Freiberufliche Lerntherapeuten gibt es keine, auch private Nachhilfestunden sind eher unüblich.

Stattdessen sind in den Schulen sogenannte specialpedagoger oder speciallärare tätig. Sie testen die Schüler auf Förderbedarf, legen fest, welche „zusätzlichen Anpassungen“ der jeweilige Lehrer einsetzen soll, sind als Hilfe in bestimmten Klassen dabei und arbeiten mit kleinen Gruppen oder einzelnen Schülern. Sie sind außerdem zuständig für die Verwendung von Hilfsmitteln (z. B. Lehrbüchern in Hörbuchform bei Dyslexie).

Meine Meinung dazu: Dass die Förderung der Kinder nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen soll, ist ein wunderbares Prinzip. In der Praxis sind viele Schulen aber leider mit dem großen Förderbedarf überfordert. Parallel dazu werden die Mittel im Bildungsbereich gekürzt und die Klassen vergrößert.

Sehr viele Schüler erhalten dadurch – meiner Erfahrung nach – in der Schule leider nicht wirklich die Hilfe, die sie eigentlich bräuchten. Eine längere Einzelförderung ist selten möglich. Oft werden die Kinder in zu große Fördergruppen geschickt oder (z. B. bei Dyslexie) mit technischen Hilfsmitteln versorgt, so dass sie dann nicht mehr lesen „müssen“.

Dazu kommt, dass sich ein Teil der Eltern auf die Arbeit der Schule verlässt und sich nach den ersten Klassen selbst nicht dafür zuständig fühlt, mit den Kindern zum Beispiel Vokabeln oder Rechenaufgaben zu üben. Zum einen sind sie einfach gewohnt, dass für die Schule die Schule zuständig ist, zum anderen haben sie bei allgemeiner Vollzeit-Berufstätigkeit und langen Wegen wenig Zeit. Und zum Dritten haben sie oft nur wenig Einblick in das, was das Kind in der Schule eigentlich macht und kann. (siehe unten)

Wer eine Klassenarbeit in den Sand gesetzt hat, bei einer Prüfung durchgefallen ist oder damals den Schulabschluss nicht geschafft hat, erhält immer eine zweite Chance (oft auch eine dritte und vierte): Nicht bestandene Klassenarbeiten können wiederholt werden, genauso wie Prüfungen.

Den Schulabschluss kann man komplett oder in Teilen bei komvux, der kommunalen Erwachsenenbildungseinrichtung nachmachen.

Ein guter Ansatz, der bei vielen Schülern jedoch zu Aufschieberitis führt. Für die Lehrer bedeutet es, dass der Stress am Ende des Schuljahres steigt, weil plötzlich jede Menge Nachprüfungen anstehen.

Im schwedischen Schulsystem geht es weniger darum, die Schüler zu bewerten und zu beurteilen (und in Kategorien wie „gute/schlechte Schüler“ zu sortieren), als mehr darum, ihnen bei ihrer Entwicklung zu helfen.

Man geht davon aus, dass das Kind sein Bestes gibt, dass Probleme einen Grund haben und dass das Kind sich weiterentwickeln will. Und dass es das auch schafft, wenn es entsprechende Unterstützung erhält. Eine wunderbare Grundeinstellung.

Dies gilt sowohl für die fachlichen Leistungen als auch für das Verhalten.

Schwedische Lehrerinnen und Lehrer gehen meiner Erfahrung nach sehr wertschätzend mit ihren Schützlingen um und sind darauf bedacht, niemanden bloßzustellen. Zum Beispiel können schüchterne Jugendliche Referate statt vor der ganzen Klasse vor einer kleinen Gruppe „Wohlgesinnter“ halten. Dass Kinder an der Tafel vorrechnen, ist auch eher unüblich.

Lehrer und Lehrerinnen sind für viele Schüler Vertrauenspersonen. In manchen Fällen wissen sie besser, wie es den Jugendlichen geht, als die eigenen Eltern. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Jugendlichen Lehrer automatisch respektieren!

Wer an einer högstadieskola unterrichtet, muss mit teilweise sehr respektlosem Verhalten rechnen und sich das gute Verhältnis zu den Schülern erst mal erkämpfen. Und bei Fehlverhalten von Seiten der Schüler haben schwedische Lehrer relativ wenig Handlungsspielraum.


Wie funktionieren das låg- und mellanstadiet (Klasse 1-6)?

>> Direkt zum högstadiet (Klasse 7-9) oder zum gymnasiet (16-19 Jahre) springen.

Hier zähle ich in lockerer Reihenfolge einige Besonderheiten auf. Sie sind teils allgemein gültig, teils subjektive Erfahrungen, müssen also nicht an allen Schulen so sein.

In Deutschland ist die Einschulung der Erstklässler eine große Sache. Die Eltern nehmen Urlaub (wenn die Feier nicht samstags stattfindet), die Großeltern sind anwesend, es gibt eine Schultüte und zu Hause wird vielleicht noch gefeiert, dass nun „der Ernst des Lebens“ beginnt.

In Schweden verläuft die Einschulung der Schulanfänger völlig unspektakulär, es gibt nicht mal ein eigenes Wort dafür.

Gegen Ende der Sommerferien fangen die Kinder nach und nach in der angegliederten Betreuung (fritids) an, je nachdem, wann die Eltern nach dem Urlaub wieder arbeiten.

Am ersten „richtigen“ Schultag gibt es dann vielleicht ein Eis und es werden Spiele auf dem Schulhof veranstaltet. Von einer großen Eröffnungsfeier mit den Eltern habe ich noch nie gehört.

Stattdessen ist der letzte Tag eines Schuljahres, die sogenannte skolavslutning, heilig. Hier sollte man sich frühzeitig erkundigen, wann die stattfindet, und den Tag frei nehmen. Das machen alle schwedischen Eltern so und man will nicht, dass das eigene Kind einsam und weinend in der Menge steht.

Am Tag der skolavslutning ist kein Unterricht. Stattdessen treffen sich Schüler, Eltern und Lehrer in sommerlichen Outfits auf dem Schulhof oder in der Kirche (die in diesem Fall keine religiöse Rolle spielt, sondern nur als großes Versammlungslokal dient).

Die Klassen treten nacheinander auf und trällern Sommerlieder, die Sechstklässler werden verabschiedet und zum Schluss singen alle gemeinsam Den blomstertid nu kommer, genau wie im Bullerbü-Film. (Hier kannst du schon mal üben.)

Im Anschluss erhalten die Klassenlehrer/innen von den Klasseneltern einen Blumenstrauß und man macht noch ein paar Erinnerungsfotos.

Dann geht man nach Hause, isst Eis oder Erdbeerkuchen und weiß: Nu är det SOMMARLOV!

In schwedischen Schulen sind die Kinder (zumindest die jüngeren) viel draußen. Dass Schüler in anderen Ländern bei Regen in der Pause im Schulhaus bleiben, ist für Schweden unverständlich. Wozu gibt es denn Regenkleidung und Gummistiefel? Und Pfützen sind doch etwas Lustiges!

Und nicht nur in der Pause ist man draußen. Es gibt immer wieder Ausflüge, wo die Lehrer mit ihrer Kinderschar und dem Bollerwagen in den Wald ziehen, um dort Insekten zu beobachten oder Abenteuer zu erleben.

Entsprechend muss man seine Kinder mit Regenjacke, Regenhose, Gummistiefeln und Ersatzkleidung ausrüsten, die im Flur vor dem Klassenzimmer aufbewahrt werden. Dort gibt es oft auch einen Trockenschrank, in dem nasse Kleidung aufgehängt wird.

Kinder, die vor oder nach dem Unterricht betreut werden müssen, sind in dieser Zeit im fritids, das der Schule angegliedert ist. Wer früh kommt, erhält hier auch Frühstück, nachmittags gibt es eine Zwischenmahlzeit.

Einen Platz erhalten Eltern, die berufstätig oder in Ausbildung sind.

Die Kosten richten sich (wie auch im Kindergarten) nach dem Einkommen der Eltern, die Betreuungszeiten rein nach ihren Arbeitszeiten (plus Wege).

Jemand, der wenig verdient aber viel arbeitet, zahlt also wenig und bekommt viel Betreuungszeit. Für Alleinerziehende ist das eine große Hilfe.

Die entsprechenden Zeiten, die auch von Woche zu Woche oder von Tag zu Tag variieren können, gibt man üblicherweise online ein. Bei Verdacht auf Ausnutzung des Systems kann die Schule beim Arbeitgeber nachfragen.

Dass alle nur so viel Betreuung bekommen, wie sie zum Arbeiten/zur Ausbildung brauchen, ist nämlich die Voraussetzung dafür, dass die Kosten recht niedrig gehalten werden können. Wer da schummelt, ist schnell bei der Schule oder anderen Eltern „unten durch“. Und in Schweden kennt jeder jeden. Einen Großeinkauf sollte man also nicht noch machen, bevor man die Kinder abholt.

Im fritids wird altersgemischt gespielt und gebastelt, mit Lego gebaut oder getanzt, Fußball oder Tischtennis gespielt usw. Bei Schulausflügen geht oft jemand aus dem fritids als Begleitperson mit, auch auf dem Pausenhof ist fritidspersonal mit dabei.

Hausaufgaben werden im fritids normalerweise nicht erledigt.

In den ersten Klassen war ich erstaunt, dass unsere Kinder so wenig schriftliche Hausaufgaben hatten.

Als Eltern sollten wir mit den Kindern regelmäßig lesen üben. Zunächst das jeweilige Kapitel im Lesebuch, später ein kleines Stück in einem für das Kind passenden Büchlein. Das Einmaleins wurde mit einem Würfelspiel oder mit Spielkarten geübt. Wörter schreiben oder schriftliches Rechnen hatten wir als Hausaufgabe eher selten.

An vielen Schulen sind inzwischen „Wochenhausaufgaben“ üblich, d. h. man bekommt ein Blatt mit Rechenaufgaben und einen Lese-Übungs-Auftrag. Dafür hat man dann eine Woche Zeit.

In den höheren Klassen gab es bei unseren Kindern kaum klassische Mathe-Hausaufgaben aus dem Lehrbuch oder schriftliche Englisch-Übungen. Schriftliches wurde in der Schule erledigt. Nahmen wir zumindest an.

Dadurch, dass Hefte und Bücher meist in der Schule bleiben und auch Klassenarbeiten nach der Korrektur nicht zur Einsicht mit nach Hause gegeben werden, hat man als Eltern nämlich nur sehr begrenzt Einblick in das, was das Kind in der Schule tatsächlich so macht.

In den höheren Klassen erfährt man, wie es „läuft“ (wenn es das Kind nicht selbst erzählt) erst über die Beurteilungen, die die Fachlehrer zwei bis dreimal pro Jahr ins digitale Mitteilungssystem legen, oder über das utvecklingssamtal.

Was mir sehr, sehr gut gefallen hat:

Als die Schüler einigermaßen lesen konnten, wanderte die ganze Mannschaft einmal im Monat in die Bibliothek. Dort stellte die Bibliothekarin ein paar interessante Bücher vor, dann durften alle eine Weile herumstöbern und am Ende musste jeder 3 selbst gewählte Bücher ausleihen.

Jeden Morgen bestand die erste Viertelstunde des Schultages dann aus „selbständigem Lesen“ dieser Bücher.

Die einen lasen dabei dünne Comics, die anderen dicke Schmöker. Jeder nach seinem Vermögen und Interesse. Wer mit einem Buch fertig war, füllte das Buchtagebuch aus: Titel und Autor des Buches? Was hat mir gefallen/nicht gefallen? Male eine Szene aus dem Buch.

Auch in höheren Klassen ist es üblich, dass im Schwedisch- oder Englischunterricht mal eine Stunde lang „nur“ alle dasitzen und das aktuelle Buch lesen. (Viele Schüler tun dies nämlich sonst überhaupt nicht.)

Neben Schwedisch, Mathematik und Englisch haben die Schüler Kunst, Sport, Musik, NO (Naturkunde), SO (Gesellschaftskunde) und Werken.

Englisch wird zunächst sehr spielerisch unterrichtet, recht bald werden jedoch schon kleine Büchlein gelesen und kurze Filme geschaut. Die Sprache wird eher ganzheitlich gelernt, d. h. es geht eher darum, das Englische „aufzuschnappen“ und sich daran zu gewöhnen. Explizit Vokabeln geübt oder Grammatik erklärt wird seltener, als ich es aus Deutschland kenne.

Das funktioniert für viele Schüler recht gut, auch, weil sie im Internet und im Fernsehen – wo Filme nicht synchronisiert, sondern untertitelt sind – vom Englischen regelrecht „umspült“ werden.

In Gesellschaftskunde geht es nicht nur um Themen wie „die Arbeit der Feuerwehr“ oder „Leben in der Steinzeit“, sondern sehr früh auch um Menschenrechte, Kinderrechte, Mitbestimmung und Engagement.

Sport heißt als Unterrichtsfach idrott och hälsa, also Sport und Gesundheit. Hier geht es auch um gesunde Ernährung, Schlaf, Stress usw.

Ein wichtiger Teil des Sportunterrichts ist Schwimmen. Ans Wasser ist es in Schweden nie weit, viele verbringen ihre Freizeit an den zahlreichen Seen oder an der Küste. Dass alle früh und gut schwimmen können, ist also wichtig.

Die meisten Kinder besuchen im Alter von ca. 4-6 Jahren einen Schwimmkurs (simskola), offiziell trägt jedoch die Schule die Verantwortung dafür, dass alle Kinder schwimmen lernen und Rettungssituationen am und im Wasser üben.

Übrigens: schwimmen heißt simma. Ohne „w“. Das Wort swimma gibt es auch, das heißt aber ohnmächtig werden. 😊

Welche Schulfächer deutschsprachigen Schülern bei einem Umzug nach Schweden eher leicht/schwer fallen, beschreibe ich hier: Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert.

In Schweden gilt das Prinzip, dass Schule die Familien nichts kosten darf. Bildung soll für alle unabhängig vom Einkommen verfügbar sein.

Neben dem reinen Schulbesuch ist daher auch das tägliche warme Mittagessen für alle Schüler kostenfrei (d. h. steuerfinanziert, dies ist nur in Schweden und Finnland so).

Die Schulen haben eine Kantine, in der sich die Schüler an der Essensausgabe üblicherweise selbst „schöpfen“. Nebendran gibt es meist noch eine Knäckebrot-und-Butter-Station und Getränkespender, aus denen man Wasser oder Milch zapft. Kalte Milch ist auch unter Erwachsenen als Getränk zum Essen nicht unüblich.

Und nicht nur die Schulbücher werden von der Schule ausgeliehen, auch sonstiges Arbeitsmaterial stellt die Schule zur Verfügung, so lange die Kinder schulpflichtig sind.

Wenn man schwedischen Freunden die langen Anschaffungslisten zeigt, die von Schulen in anderen Ländern zu Beginn des Schuljahres ausgegeben werden, machen sie große Augen!

In schwedischen Schulen funktioniert das so:

Buntstifte, Scheren, Lineale usw. gibt es in einer Box im Klassenzimmer, genauso wie später kleine Taschenrechner. Dazu erhält jedes Kind einen eigenen Druckbleistift und ein Radiergummi. Ein Schreibheft/einen Collegeblock bekommt man vom jeweiligen Fachlehrer.

In Schweden schreiben die Schüler also nicht mit Füller, sondern mit Bleistift. (Wenn sie denn überhaupt von Hand schreiben und nicht am Laptop sitzen. Ich habe vereinzelt 16-Jährige erlebt, die kaum einen Stift halten konnten.)

Das ist kostengünstig, erfordert jedoch mehr Druck als das Schreiben mit Tinte und die graue Schrift ist auf weißem Papier nicht unbedingt leicht lesbar. In den höheren Klassen kamen in den letzten Jahren daher radierbare Patronenschreiber einer japanischen Marke in Mode, die sich die Schüler selbst kaufen. (Die sind auf Dauer teurer als ein Füller, weil die Patronen so teuer sind. Mein deutscher Füller wird von meinen Schülern regelmäßig bestaunt.)

Einen Schulranzen wie in Deutschland üblich gibt es in Schweden nicht. Die Kindern verwenden einen normalen Rucksack (mit Laptop-Fach), der in unserer Gemeinde auch von der Schule gestellt wird. Bücher und Hefte bleiben eh meist in der Schule.

Zu guter Letzt ist auch die Fahrt mit dem Schulbus in die nächstgelegene Schule für schulpflichtige Schüler kostenlos, wenn sie weit genug von dieser Schule entfernt wohnen. Das Einzugsgebiet ist auf dem Land manchmal sehr groß.

Elternabende werden meist einmal pro Halbjahr abgehalten, dabei sind nur die Klassenlehrer anwesend, manchmal kommen die Schulkrankenschwester oder ein specialpedagog vorbei. Dass sich Fachlehrer vorstellen, ist eher unüblich.

In den letzten Jahren wurde an „unseren“ Schulen der Elternabend im zweiten Halbjahr per Videokonferenz abgehalten, was praktisch ist, da die Familien in Schweden sehr weit verstreut wohnen können.

Einen Elternbeirat gibt es nur an wenigen Schulen, man muss also keine Angst haben, zum Elternvertreter gewählt zu werden. 😊

(Oft gibt es jedoch eine gute Seele, die gegen Ende des Schuljahres ein paar Kronen von allen einsammelt und den Blumenstrauß besorgt, den die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer an der großen Abschlussfeier erhält.)

Jedes Halbjahr hat man außerdem ein utvecklingssamtal = Entwicklungsgespräch.

Anwesend sind: das Kind, der/die Klassenlehrer/in und mindestens ein Elternteil.

Dabei geht es zunächst um die allgemeine Befindlichkeit des Kindes:
Fühlt es sich in der Schule wohl, hat es Freunde, wie erlebt es die Klassengemeinschaft, kommt es mit den Lehrern klar, hat es Stress/Angst, gibt es in der Familie Veränderungen?

Dann geht man die einzelnen Fächer kurz durch: Wo läuft es gut, wo gibt es Probleme, wie kann man dem Kind helfen?

Am Ende wird ein „Entwicklungsziel“ für das kommende Halbjahr aufgeschrieben.

Auf einem meiner ersten Elternabende meinte die Klassenlehrerin so nebenher, das Formular für ledighetsansökan könne man bei ihr bekommen.

Ich verstand zwar ledig = frei und ansökan = Antrag, fragte aber zur Sicherheit hinterher nach, was sie damit meinte. Konnten die Schüler tatsächlich frei nehmen?

Es stellte sich heraus, dass Schüler für private Angelegenheiten „Urlaub“ beantragen konnten. Und zwar nicht nur für Dinge wie die Teilnahme an Hochzeiten, Beerdigungen oder Sportwettkämpfen. Nein, auch Urlaubsreisen nach Thailand wurden genehmigt. Argument: Die sind ja außerhalb der Schulferien billiger, manche Familien könnten sich das sonst nicht leisten.

Für die Familien war das natürlich praktisch, für die Lehrer aber sehr nervig, wenn immer wieder Schüler fehlten, weil sie irgendwo am Strand lagen (oder weil sie einen Welpen bekommen hatten, der sich jetzt eine Woche lang an sie gewöhnen musste! Das habe ich in meinem ersten Jahr als Lehrerin erlebt. 😁)

Inzwischen sind die Schulen bei der Genehmigung der Anträge restriktiver. Bevor man das Formular erhält, wird man nun deutlich an die Schulpflicht erinnert und darauf hingewiesen, dass die Schüler wichtigen Stoff verpassen und man sich das mit einer längeren Abwesenheit doch gut überlegen sollte.

Ob eine mehrtägige Beurlaubung genehmigt wird, liegt letztendlich im Ermessen der Schulleitung. Dass die einzelnen Schulen dabei mehr oder weniger streng sind, gibt regelmäßig Anlass zu heißen Diskussionen.

Viele Familien fahren übrigens trotz abgelehntem Antrag in Urlaub. Rechtliche Folgen hat das selten, manche Gemeinden verhängen eine Geldstrafe.

Noten gibt es in der schwedischen Schule ab der sechsten Klasse.

A ist die Bestnote, dann geht es weiter mit B, C, D und E (bestanden). F ist nicht bestanden.

Als ich 2011 hier als Lehrerin anfing, gab es Noten erst ab der achten Klasse und ich weiß noch gut, wie besorgt Eltern und Lehrer bei Einführung der Neuerung waren: Würden die Sechstklässler diesen Druck verkraften?

Außerdem gab es damals nur vier Noten: Sehr gut bestanden, gut bestanden, bestanden und nicht bestanden (mvg, vg, g und ig). Eigentlich absolut ausreichend. Jemand, der einen kleinen Tick „besser“ ist, muss doch nicht deshalb eine „zwei plus“ bekommen. Je mehr aufgedröselt die Bewertung ist, desto mehr kämpft und diskutiert man um jeden Punkt und desto mehr Leistungsdruck entsteht.

Bald sollen diese Buchstaben-Noten wieder verschwinden, stattdessen werden Zahlen-Noten von 1 bis 10 eingeführt. Überhaupt gibt es bei den Schulvorschriften relativ häufig Änderungen, die mal mehr und mal weniger durchdacht sind.


In der dritten und sechsten Klasse (und später im högstadiet und gymnasiet) werden nationella prov in den wichtigsten Fächern durchgeführt. Das sind schwedenweit einheitliche Tests, mit denen überprüft wird, ob die Schüler die Lehrplanziele erreicht haben.

Bei den jüngeren Schülern dienen sie hauptsächlich dazu, Förderbedarf sichtbar zu machen und den Lehrern Feedback zu ihrem Unterricht zu geben.

Einen Einfluss auf die weitere Schullaufbahn haben die nationella prov und die Noten in der sechsten Klasse nicht, da eh alle Schüler anschließend die Gesamtschule högstadiet besuchen.

Hier entfällt also viel Leistungsdruck, den ich aus Deutschland kenne, wo Viertklässler mit Nachhilfe aufs Gymnasium gepusht werden.

Wie funktioniert das högstadiet?

Im högstadiet (Klasse 7-9) werden die Schüler, wie bereits oben gesagt, alle gemeinsam unterrichtet. Eine Einteilung in verschiedene Leistungsstufen erfolgt nicht.

Die große Streubreite in einer Klasse stellt die Unterrichtenden vor allem in Mathematik, wo die Unterrichtsinhalte stark aufeinander aufbauen, vor riesige Herausforderungen.

Diese Streubreite betrifft die Vorkenntnisse – man bleibt in Schweden nicht sitzen, daher sind immer wieder Kinder in der Klasse, die eigentlich gar keine Chance haben, den aktuellen Stoff zu verstehen -, die Konzentrationsfähigkeit und die Häufigkeit der Anwesenheit. Das Risiko ist hoch, dass einige Schüler komplett überfordert sind, während sich andere stark langweilen. Beide Gruppen können sich dann „wegträumen“ oder den Unterricht stören. Und bei beiden Gruppen steigt das Risiko für Absentismus. Der ist in Schweden sehr hoch.

In Englisch ist es ähnlich, da lesen einige Schüler dicke Bücher, während andere Schwierigkeiten haben, am, is und are richtig zu verwenden.

Als Unterrichtsform wird daher häufig „Lehrervortrag und anschließend eigenes Arbeiten“ gewählt.

Im Prinzip finde ich den Gedanken einer gemeinsamen Schule sehr gut. Die Kinder finden so auch Freunde, die sie in leistungsgetrennten Schulwelten nie kennengelernt hätten. Damit trägt Schule zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.

Gerade in den Fächern Mathematik und Englisch würde ich mir allerdings die Bildung von Niveaugruppen wünschen, um bei allen Beteiligten den Frust zu reduzieren.

Die Schüler haben folgende Fächer:

  • Schwedisch, Englisch, Mathematik (Hauptfächer)
  • SO: im Wechsel Geschichte, Gemeinschaftskunde, Religion und Geografie
  • NO: im Wechsel Physik, Chemie und Biologie
  • Technik, Kunst, Musik, Werken, Hauswirtschaft, Sport
  • zweite Fremdsprache: Spanisch, Deutsch oder Französisch. Bei großen Schwierigkeiten in Englisch kann stattdessen die Englischfördergruppe besucht werden.

Religion wird in Schweden nicht konfessionell (und damit nicht von Vertretern der Kirche) unterrichtet, sondern als wissenschaftliches Fach, in dem es um folgende Fragen geht: Was ist Religion? Welche Bedeutung hat Religion für Menschen? Welche großen Religionen gibt es? Was kennzeichnet sie? Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es?

Der Schultag beginnt meist gegen 8 Uhr und endet gegen 15 oder 16 Uhr.

Einheitliche 45-Minuten-Unterrichtsstunden und eine Klingel gibt es nicht. Die einzelnen lektioner und die Pausen sind unterschiedlich lang, weshalb manche Schüler auf dem Flur unterwegs zur nächsten Stunde sind, während andere im Klassenzimmer sitzen.

Die Pausen zwischen den Stunden sind außerdem länger, als ich das aus Deutschland gewohnt war. Das können auch mal 30 oder 40 Minuten sein, in denen man dann irgendwo im Flur oder der Cafeteria abhängt.

Dadurch wird viel Zeit in der Schule verbracht, auch wenn die reine Unterrichtszeit nicht länger ist als in der alten deutschen „Vormittagsschule“.

Für extrovertierte Schüler und solche, die zu Hause wenig mit sich anzufangen wissen, ist das gut. Für Introvertierte – Schüler wie Lehrer – ist es anstrengend, dass man sich so lange nicht zurückziehen kann.

An schwedischen Schulen gibt es neben den Lehrern noch weiteres Personal. Die Schulkrankenschwester skolsköterska kümmert sich nicht nur um aufgeschlagene Knie, Impfungen und Sehtests, sondern auch ganz viel um „Bauch- oder Kopfschmerzen“, die Ausdruck für andere Probleme sind. Für viele Schüler ist sie Kummertante und Vertraute. Genauso wie die oder der kurator, die/der sich um die psychosoziale Betreuung der Schüler kümmert, bei Fällen von Mobbing eingeschaltet wird oder Kontakt mit dem Jugendamt hält.

An den meisten Schulen gibt es außerdem noch fritidsledare. Das sind im högstadiet Sozialarbeiter, die z. B. den Schulkiosk führen, sich in den Pausen unter die Schüler mischen, im manchmal angegliederten Jugendtreffpunkt arbeiten oder sogar abends an den einschlägigen Treffpunkten unterwegs sind und nach dem Rechten sehen.

Hausaufgaben

Schriftliche Hausaufgaben hatten meine Kinder im högstadiet selten bis nie. Ab und zu stand ein Vokabeltest an, sehr oft sollte für die nächste Klassenarbeit gelernt werden.

Bei langen Schultagen natürlich verständlich. Gerade in Mathe oder den Fremdsprachen wäre etwas regelmäßige zusätzliche Übung neben dem reinen Unterricht aber sehr angebracht, dann wäre ein Teil des Lernens auf die Klassenarbeit dadurch im Vorfeld schon erledigt.

Mathe-Hausaufgaben gab es manchmal auf freiwilliger Basis: ein Arbeitsblatt sollte bearbeitet oder die Aufgaben des jeweiligen Kapitels „fertig gerechnet“ werden. (Die Ergebnisse stehen hinten im Buch, die Schüler kontrollieren sich selbst.)

Schriftliche Hausaufgaben werden manchmal auch als „ungerecht“ abgelehnt, da ja nicht alle Eltern dabei helfen können. Andererseits: Beim Lernen auf die Klassenarbeit können auch manche Eltern helfen und andere nicht.

Und viele Schüler sind mit einem schwammigen „lernt für die Arbeit“ überfordert und fangen erst gar nicht an. Regelmäßig ein paar konkrete Aufgaben, die erledigt und dann auch abgehakt werden können, wären für sie meiner Meinung nach sinnvoller.

Das sind meine Erfahrungen. Hast du Kinder, die eine schwedische Schule besuchen oder unterrichtest du an einer schwedischen Schule? Schreibe gerne in den Kommentaren, welche Erfahrungen du gemacht hast.

Noten: Es zählt, was du am Ende kannst

Wie weiter oben beschrieben gibt es die Noten A, B, C, D, E und F.

A ist die Bestnote, F ist nicht bestanden.

Für die Endnote eines Faches zählt, was der Schüler/die Schülerin am Ende des Schuljahres kann, d. h. welche Kompetenzen er oder sie insgesamt im Schuljahr erworben hat.

Wenn man die Klassenarbeit zu Gleichungen im Oktober vermasselt hat, kann man im Mai immer noch zeigen, dass man mathematische Probleme mit Hilfe von Gleichungen lösen kann.

Die Idee ist gut. Es geht nicht darum, den Schülern Noten zu „verpassen“, sondern darum, ihnen Kompetenzen zu vermitteln. Prüfungsangst kann gemildert werden, wenn man weiß, dass man noch eine weitere Chance erhält.

Bei vielen Schülern führen diese mehrfachen Chancen allerdings zu ungesunder Aufschieberitis und dazu, dass sie die Schule nicht mehr ernst nehmen. Erst ist man wiederholt „krank“, dann wird exakt dieselbe Spanischprobe dreimal geschrieben und immer noch nicht bestanden. Diesen Schülern tut man mit dem System keinen Gefallen.

Schulstress

Viele Högstadie-Schüler klagen über Stress.

Bei meinen eigenen Kindern habe ich erlebt, dass es viele Klassenarbeiten gibt und die Inhalte, die gelernt werden sollen, zum Teil wirklich umfangreich sind. Zum Beispiel in Gemeinschaftskunde oder in Chemie und Physik. Da ist etwas Planung notwendig; es reicht nicht, dass man sich am Vorabend kurz hinsetzt und lernt.

Gleichzeitig berichteten sie in anderen Fächern (Schwedisch, Englisch und Mathematik) immer wieder, dass sie mit den Unterrichtsaufgaben weit vor der Deadline fertig geworden waren.

Hier arbeiten die Schüler im Unterricht nämlich immer wieder über längere Zeit in „Eigenarbeit“. Beispiel aus dem Schwedischunterricht: Lies ein Jugendbuch, schreibe eine inhaltliche Zusammenfassung und charakterisiere die Hauptfigur. Abgabe in vier Wochen.

Stress entsteht dann häufig durch schlechte Organisation und Aufschieberei. Die Schüler verlieren den Überblick über die anstehenden Aufgaben und Termine und sitzen ermattet erst mal drei Wochen im Klassenzimmer herum und blättern ein wenig im Buch. Zwei Tage vor Abgabe bekommen sie dann Panik. (Wofür der Lehrer Verständnis hat und die Deadline verlängert.)

Da die Schule Eltern nichts kosten darf, sorgt die Schulkantine auch bei Ausflügen für das Mittagessen: Als ich mit einer achten Klasse unterwegs war, gaben sie uns einmal Grillzeug mit, ein anderes Mal kam der Hausmeister mit Bergen von Nudelsalat angefahren.

Teure Klassenfahrten wie Skilandheime gibt es normalerweise nicht.

Den an vielen Schulen üblichen größeren Ausflug am Ende der neunten Klasse müssen sich die Schüler selbst verdienen, zum Beispiel durch die Veranstaltung einer Disco für jüngere Schüler oder den Verkauf von Sponsoring-Produkten.

(Da wir hier keine Verwandtschaft haben, der die Kinder die Sportsocken, Kekse oder Gewürzmischungen andrehen können, haben wir die Sachen dann immer stapelweise selbst im Schrank. 😊)

Wie funktioniert das gymnasiet?

Nach der neunjährigen Pflichtschule wechseln im Prinzip alle Schüler aufs gymnasiet, das, wie oben bereits gesagt nicht mir „Gymnasium“, sondern mit ”Schule für 16-19-Jährige” übersetzt werden sollte.

An einem gymnasiet gibt es mehrere, program genannte Ausbildungszweige. Unterschieden wird zwischen

  • beruflichen Zweigen (yrkesprogram), die der Berufsschule entsprechen, und
  • hochschulvorbereitenden Zweigen (högskoleförberedande program), die der deutschen gymnasialen Oberstufe entsprechen.

Diese sind also in der gleichen Schule untergebracht. Als gymnasielärare unterrichtet man je nach Fach Schüler aus beiden „Zweigarten“.

Yrkesprogram (berufliche Zweige):

Diese Zweige entsprechen der deutschen Berufsschule inklusive einem Großteil der praktischen Ausbildung.

Die findet üblicherweise nämlich nicht in einem Ausbildungsbetrieb statt, sondern in der Schule, die dafür entsprechende Werkstätten und Lehrer hat. In Betrieben macht man dann mehrwöchige Praktika.

Damit soll eine einheitliche Qualität der Ausbildung gewährleistet werden. Außerdem hofft man, die minderjährigen Schüler so länger vor eventuellen negativen Einflüssen am Arbeitsplatz wie Mobbing oder Alkoholkonsum schützen zu können und schneller auf z. B. psychische Probleme aufmerksam zu werden.

Seit 2009 besteht zwar im Prinzip die Möglichkeit einer lärlingsutbildning, sie wird jedoch nicht überall angeboten, ist im öffentlichen Bewusstsein weniger verankert und hat mancherorts den Ruf, nur etwas für die schwächeren Schüler zu sein. Nur ca. jeder zwölfte Berufsschüler wählt diese Möglichkeit.

Diese beruflichen Zweige gibt es

Im Moment gibt es am gymnasiet 12 berufliche Zweige, die sich teilweise noch in Unter-Richtungen aufteilen. Die einzelnen Schulen bieten eine Auswahl an.

Barn och fritid (wörtl. „Kinder und Freizeit“)

Vorbereitung auf pädagogische und soziale Ausbildungen wie Erzieher oder Betreuer, die man dann also erst mit 19 beginnt.

Bygg och anläggning (Bauwesen)

Vertiefungsmöglichkeiten: Blechnerei, Hausbau (Zimmerer, Maurer, Fliesenleger),Maler, Tiefbau/Strassenbau

El och energi (wörtl. „Strom und Energie“)

Vertiefungsrichtungen: Automationstechnik, Kommunikationstechnik, Elektrik, Energietechnik

Fordon och transport (wörtl. „Fahrzeuge und Transport“)

Vertiefungsrichtungen: Schadenstechnik und Lackierung, Lastwagen und mobile Maschinen, Personenwagen (= Automechaniker), Transport

Frisör och stylist (Frisör, Barbier, Stylist)

Vertiefungsrichtungen: Barbier, Frisör, Haar- und Makeupstylist

Försäljning och service (wörtl. „Verkauf und Service“)

Keine Vertiefungsrichtungen. Danach kann man im Verkauf, im Kundendienst, im Lager oder als Marketingassistent arbeiten.

Hotell och turism (wörtl. „Hotel und Tourismus“)

Keine Vertiefungsrichtungen. Eine allgemeine Ausbildung zur Reisebranche, Destinationen, Unterkünften, Abläufen in einem Hotel, Marketing, Service, Eventorganisation … Danach kann man als Reiseleiter, Touristeninformateur, Rezeptionist o. Ä. arbeiten. Keine „klassische“ Hotelausbildung.

Industriteknik (wörtl. „Industrietechnik“)

Vertiefungsrichtungen: Betriebssicherheit und Wartung, Prozesstechnik, Produkt- und Maschinentechnik

Naturbruk (Forst- und Landwirtschaft)

Wird an eigenen Schulen namens naturbruksgymnasiet angeboten. 5 Richtungen: Arbeit mit Tieren (mögliche Berufsfelder Zoofachhandel, Hundetrainer …), Pferdepflege, Landwirtschaft, Naturtourismus, Forstwirtschaft.

Restaurang och livsmedel (wörtl. „Restaurant und Lebensmittel“)

2 Vertiefungsrichtungen: Bäckerei/Konditorei oder Küche/Service

VVS och fastighet (Sanitär- und Gebäudetechnik)

Vertiefungsrichtungen: Gebäudetechnik, Kühlanlagen und Wärmepumpen, Ventilation, Sanitärtechnik

Vård och omsorg (Gesundheit und Pflege)

Keine Vertiefungsrichtungen. Danach kann man direkt als Pflegehelfer im Krankenhaus/Altenheim, in der häuslichen Pflege (Spitex) arbeiten oder als Betreuer für Menschen mit Beeinträchtigungen.


Besondere Ausbildungen an gymnasieskolor med riksintag

Neben den „normalen“ gymnasieskolor gibt es außerdem noch Schulen, die besondere Ausbildungen anbieten und Schüler aus ganz Schweden aufnehmen. (Mit denen man dann um die Plätze konkurriert.)

Dies können z. B. musikalisch-künstlerische Ausbildungen, Ausbildungen im Spitzensport oder besondere naturwissenschaftlich/technische sowie handwerkliche Ausbildungen sein. (Manche davon hochschulvorbereitend, manche berufsbildend.)

Zusammenfassung:

Insgesamt gibt es damit eine kleinere Auswahl an praktischen Berufsausbildungen für 16-Jährige als in den deutschsprachigen Ländern. (Zum Vergleich: In der Schweiz gibt es rund 250 EFZ- oder EBA-Berufe, die nach der obligatorischen Schulzeit erlernt werden können!)

Auffällig ist auch, dass es vor allem die grundlegenden, handwerklich-technischen Ausbildungen sind, in denen die Schüler einen konkreten Berufsabschluss machen können.

Ausbildungen wie Buchhändler/in, Erzieher/in, Informatiker/in, Versicherungsberater/in, Optiker/in, Bibliothekar/in, Zahntechniker/in, Krankenpfleger/Krankenschwester oder eine Bankausbildung kann man in Schweden erst nach Abschluss des gymnasiet, also mit 18 oder 19 Jahren, beginnen.

Welches System besser ist? Daran scheiden sich die Geister.

Ich selbst würde sagen, kommt drauf an.

Schüler, die schon früh ein konkretes Berufsziel haben, das jedoch nicht dem Angebot des gymnasiet entspricht, kommen in den deutschsprachigen Ländern schneller zum gewünschten Berufsabschluss und müssen nicht vorher drei Jahre lang „irgendwas“ machen.

Schüler, für die das Angebot passt, oder Schüler, die sich mit der konkreten Berufswahl etwas Zeit lassen und sich zunächst nur auf eine grobe Richtung festlegen möchten, sind wahrscheinlich im schwedischen System gut aufgehoben.

Genauso wie Schüler, die eine engere Betreuung durch die Schule (Klassenlehrer, Schulsozialarbeiter, tägliches Mittagessen in der Schule usw.) brauchen.

Von der schwedischen Wirtschaft wird immer wieder kritisiert, dass die Schüler zu lange „in der Schulbank sitzen“, und ein Ausbau des Lehrlingssystems gefordert, auch im Hinblick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Vom beruflichen Zweig direkt an die Hochschule

Wer am gymnasiet einen berufsbildenden Zweig besucht, kann erforderliche Fächer und Kurse dazuwählen und sich damit für bestimmte Hochschulstudiengänge qualifizieren.

Mit 19 hat man dann sowohl eine praktische Ausbildung als auch Zugang zu einem Studium. Diese Möglichkeit ist bei den Elektrikern und Automationstechnikern beliebt sowie bei Pflegehilfe-Schülern, die anschließend ein Krankenpflege-Studium absolvieren.


Högskoleförberedande program (hochschulvorbereitende Zweige)

Diese Zweige entsprechen der deutschen gymnasialen Oberstufe.

Hier gibt es 6 mögliche program, die sich nach dem ersten Jahr nochmals in Vertiefungsrichtungen aufteilen.

Samhällsvetenskapsprogrammet (Gesellschaftswissenschaftl. Zweig)

Teilt sich auf in Verhaltenswissenschaften/Medien und Kommunikation/Gesellschaftswissenschaften

Ekonomiprogrammet (Wirtschaftswissenschaftl. Zweig)

Teilt sich auf in Wirtschaft/Jura

Naturvetenskapliga programmet (Naturwissenschaftl. Zweig)

Teilt sich auf in Naturwissenschaft vertieft/Naturwissenschaft und Gesellschaft

Teknikprogrammet (Technischer Zweig)

Teilt sich auf in Design und Produktentwicklung/Informations- und Medientechnik/Produktionstechnik/Infrastruktur und Umwelt/Technikwissenschaften (üblicherweise werden 2-3 Richtungen an einer Schule angeboten)

Estetiska programmet (Künstlerischer Zweig)

Teilt sich auf in Tanz/ Musik/ Bildende Kunst/ Medien/Theater. Die meisten Schulen bieten 2-3 der Richtungen an.

Humanistiska programmet (Humanistischer Zweig)

Sprachen, Geschichte, Philosophie … Diesen Zweig gibt es nur an sehr wenigen Schulen. Teilt sich auf in Kultur/Sprachen. Die einzige Möglichkeit, (grundlegendes) Latein zu lernen.

Je nach gewähltem Zweig hat man dann manche der bisherigen Schulfächer nicht mehr (die Techniker müssen zum Beispiel neben Englisch keine zweite Fremdsprache machen), dafür aber neue Fächer wie z. B. Psychologie, Soziologie, Unternehmensführung, Privatrecht, Laborarbeit, Programmieren usw.

Dazu kommen im zweiten und dritten Jahr noch verschiedene Wahlfächer.

Wer bestimmte Interessen hat und schon recht gut weiß, was er später einmal machen möchte, kann sich da richtig austoben. Wer eher breit interessiert ist, hat die Qual der Wahl. (Kann dann aber noch Wahlfächer aus einem anderen Bereich dazunehmen.)


😊So, und jetzt wird es spannend:

Wie kommt man in die beruflichen bzw. hochschulvorbereitenden Zweige rein?

Hierbei muss man unterscheiden zwischen der Frage, welche Anforderungen man grundsätzlich erfüllen muss (behörighet) und der Frage, ob man dann auch einen der freien Plätze erhält.

Welche grundsätzlichen Anforderungen muss man erfüllen?

Für die grundsätzliche Zulassung zu einem der beruflichen Ausbildungszweige braucht man im Abschlusszeugnis der 9. Klasse:

  • Die Note „bestanden“ (E) in den Fächern Mathematik, Englisch und Schwedisch sowie in fünf weiteren Fächern.

Diese fünf weiteren Fächer können z. B. Kunst, Sport, Werken, Hauswirtschaft und Musik sein. (In allen anderen Fächern kann man also durchgefallen sein.)

In den letzten Jahren schafften es jeweils etwas mehr als 15 % eines gesamten(!) Schülerjahrgangs nicht, diese Anforderungen zu erfüllen.

Kein Schreibfehler.

Diese Schüler können zunächst das introduktionsprogram des gymnasiet besuchen, wo sie die Chance haben, ihre Noten in den entsprechenden Fächern zu verbessern.


Für die grundsätzliche Zulassung zu hochschulvorbereitenden Zweigen braucht man im Abschlusszeugnis der neunten Klasse:

  • Die Note bestanden (E) in den Fächern Mathematik, Englisch und Schwedisch sowie in neun weiteren Fächern.

Unter diesen neun weiteren Fächern müssen

  • Geschichte, Geografie, Gemeinschaftskunde und Religion sein, wenn man ins gesellschaftswissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche oder humanistische Programm will
  • Biologie, Physik und Chemie sein, wenn man ins naturwissenschaftliche oder technische Programm will

Wo kommt man dann tatsächlich rein?

In welches program man dann tatsächlich reinkommt (wenn man also die grundsätzlichen Anforderungen erfüllt), hängt von der Anzahl der an der gewählten Schule verfügbaren Plätze, vom eigenen Notendurchschnitt und ein Stück vom Zufall ab.

Dabei kann es zu seltsamen Erscheinungen kommen:

Der naturwissenschaftliche Zweig gilt als der schwierigste Zweig, da man hier sowohl viele Fächer hat als auch die schwierigeren Mathe-, Physik- und Chemiekurse belegen muss. Wer Medizin studieren will, muss da durch.

Wenn sich an einer Schule 36 Schüler für den naturwissenschaftlichen Zweig bewerben, kann man daraus eine Klasse mit 30 Schülern machen. Die restlichen 6 Schüler landen in anderen Zweigen oder an anderen Schulen. (Zwei zu kleine Klassen kann man aus Budgetgründen nicht bilden.) Damit kommen die 30 mit dem besten Notendurchschnitt rein.

Bewerben sich jedoch 56 Schüler, ergibt das zwei naturwissenschaftliche Klassen mit je 28 Schülern und jeder, der die grundsätzlichen Anforderungen erfüllt, kommt rein. Damit sitzen dann auch Schüler, die in Mathematik, Physik und Chemie mit Hängen und Würgen die Note „ausreichend“ erhielten, in den schwierigen Kursen. Für sie werden diese drei Jahre extrem frustrierend. (Und für die betreuenden Lehrer auch.)

In manchen Fällen ist es sogar einfacher, mit einem mittelmäßigen bis schlechten Notendurchschnitt in ein hochschulvorbereitendes Programm reinzukommen als in die beliebte Elektriker- oder Automechanikerausbildung: Dort kann die Anzahl der Plätze begrenzt sein, da die schuleigene Werkstatt genutzt wird. Im gesellschaftswissenschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Programm kann man leichter ein weiteres Klassenzimmer öffnen …

Welchen Schulabschluss hat man nach dem gymnasiet?

Am Ende des dreijährigen gymnasiet haben die Schüler einen Abschluss, der studentexamen oder kurz studenten genannt wird.

Je nachdem, welchen Zweig man besucht hat, entspricht dieser Abschluss dann also einem Berufsschulabschluss oder dem Abitur/der Matura. Wer Abitur korrekt ins Schwedische übersetzen will, muss högskoleförberedande (gymnasie)examen sagen.

Der Schulabschluss wird Anfang Juni überall groß gefeiert.

Die studenter genannten Abgangsschüler aller Zweige eines gymnasiet tragen zur Feier des Tages Anzug bzw. weißes Kleidchen und die super-wichtige Studentenmütze studentmössa (die bei einem besonderen Event namens mösspåtagning = Mützaufsetzung eingeweiht wird).

Sie werden beim utspring aus der Schule geworfen und fahren dann singend und lärmend auf großen geschmückten Wagen durch die Stadt. Anschließend wird mit Familie, Verwandten und Freunden gefeiert.

Bilder: Bengt Nyman – originally posted to Flickr as IMG_3120, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10727458, Charlotta Wasteson – Kortege student 2017, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?

Was kann man mit dem schwedischen Schulabschluss studieren?

Das deutsche Abitur heißt auch „Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife“ und man kann sich damit theoretisch in alle Studiengänge einschreiben.

In Schweden funktioniert dies anders: Hier muss man im gymnasiet bestimmte Kurse besucht haben, um die Zulassungsvoraussetzungen für bestimmte Studiengänge zu erfüllen.

Je nach gewähltem Zweig hat man zum Beispiel mehr oder weniger Mathematik. Für die Zulassung zu einem technischen oder naturwissenschaftlichen Studiengang muss man in der Regel die höheren Mathekurse bestanden haben.

Wer diese Kurse am gymnasiet nicht belegt hat, kann sie nach dem Schulabschluss bei Komvux, der kommunalen Erwachsenenbildung nachmachen.

Erfüllt man die grundsätzlichen Anforderungen für die Zulassung zum gewünschten Studium, kann man sich bei der zentralen Vergabestelle um einen Studienplatz bewerben.

Die freien Plätze an den einzelnen Hochschulen werden dann nach bestimmten Quoten vergeben:

Ein Teil der Bewerber kommt über die meritpoäng (= erreichter Punktwert im Schulabschluss) rein, ein Teil über das Ergebnis von högskoleprovet („Hochschulprüfung“) und ein Teil manchmal über eine zusätzliche Quote.

Högskoleprovet ist eine schwedenweite, freiwillige Prüfung, die zweimal jährlich in vielen Städten angeboten wird. Die meisten Schüler, die studieren möchten, nehmen daran teil. (Man muss dafür mindestens 18 sein.)

Ähnlich wie beim Medizinertest werden in einer sehr intensiven, ganztätigen schriftlichen Prüfung unter Zeitdruck mathematisch-/logisches Verständnis und Textverständnis (Schwedisch, Englisch) geprüft. Das Ergebnis ist acht Jahre lang gültig. Man kann die Prüfung mehrmals machen, das jeweils beste Ergebnis zählt.

Damit bekommen auch diejenigen, die keinen besonders guten Schulabschluss gemacht haben, eine Chance.

Weitere Artikel zu Schule in Schweden:

Dein Kind in der schwedischen Schule – So werden ausländische Kinder integriert

Unsere Klassenoma ist klasse! – Senioren an schwedischen Schulen

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