Umzug nach Schweden mit Kindern
Familien, die mit Kindern für ein paar Jahre (oder für immer) nach Schweden umziehen, haben oft tausend Fragen.
Wie funktioniert das schwedische Schulsystem? Welche Schulen gibt es?
Wie, wann und wo sollen die Kinder die schwedische Sprache lernen? Wie schwierig ist der Start in einer schwedischen Schule und wie läuft das ab?
Das schwedische Schulsystem und die verschiedenen Schularten beschreibt mein ausführlicher Blogartikel „Wie funktioniert Schule in Schweden? – Alles, was du wissen musst“ vom April 2026. Darin berichte ich außerdem auch von meinen eigenen Erfahrungen als Lehrerin und Mutter.
Hier möchte ich darauf eingehen, wie der Start für die Kinder konkret aussieht und wie ausländische Kinder in die schwedische Schule integriert werden. Los geht’s!
Wie werden ausländische Kinder in Schweden in die Schule integriert?
Kinder, die nach Schweden umziehen und dort in der kommunalen Schule anfangen, werden meiner Erfahrung nach gut integriert.
So sieht der Start aus:
In vielen Schulen gibt es ein Gespräch mit den Eltern, bei dem Schulleitung, Klassenlehrerin und eventuell auch Schulkrankenschwester und specialpedagog dabei sind, um eventuelle Schwierigkeiten abzuklären und Hilfe anzubieten. Die Schule kann dazu einen Dolmetscher organisieren (bzw. per Telefon zuschalten).
Außerdem werden die Kinder im Lauf der ersten Wochen von einer pädagogischen Integrationsbeauftragten grundlegend getestet. Ich war bei solchen Tests mehrmals als Dolmetscherin dabei.
Der Test läuft nämlich in der Muttersprache der Kinder ab und es geht darum, zu erkennen, ob grundsätzliche Schwierigkeiten (kognitive Schwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche oder Ähnliches) vorliegen.
Wenn die Kinder am Anfang im Unterricht nicht mitkommen, weiß man dann, ob es nur daran liegt, dass sie die neue Sprache noch nicht richtig können, oder ob grundsätzlich Förderbedarf besteht.
Der Test läuft sehr nett und entspannt ab und macht den Kindern meist Spaß.
Man kann sich das in der vierten Klasse etwa so vorstellen: Sie lesen eine kurze Geschichte auf Deutsch und beantworten ein paar Fragen dazu, finden und beschreiben auf einem Bild Dinge und lösen ein paar grundlegende Matheaufgaben. Außerdem gibt es eine praktische Aufgabe/ein Experiment, bei dem sie erzählen sollen, wie sie vorgehen und warum sie das so machen.
Es geht bei dem Test also nicht darum, das Kind in irgend einer Form zu „bewerten“, sondern nur darum, bei Bedarf passende Hilfe anzubieten. Damit ein solcher Bedarf festgestellt wird, müssen die Schwierigkeiten schon sehr ausgeprägt sein.
So geht es weiter:
In vielen Gemeinden gibt es eine förberedelseklass (Vorbereitungsklasse), die ausländische Kinder zunächst ein paar Wochen oder Monate besuchen, um intensiv Schwedisch zu lernen.
Wenn es organisatorisch möglich ist, können sie in Fächern, in denen es weniger auf die Sprache ankommt, schon am Unterricht ihrer „Zielklasse“ teilnehmen und die neuen Mitschüler kennenlernen.
In der neuen Klasse erhalten die Kinder dann Hilfe von einem/einer studiehandledare.
Das sind pädagogische Hilfskräfte, die die Muttersprache der Kinder sprechen und die Kinder ein paar Stunden pro Woche unterstützen.
Sie können in Absprache mit den Lehrern zum Beispiel die schwedischen Begriffe zur Bruchrechnung üben, erklären, was als Hausaufgabe zu tun ist, oder mit den Kindern vor einer Klassenarbeit üben.
Diese studiehandledare betreuen meist Kinder an verschiedenen Schulen, weshalb die Unterstützung manchmal auch per Video-Meeting erfolgt.
Außerdem wird, wenn es mindestens fünf Teilnehmer gibt und sich ein passender Lehrer findet, Muttersprachenunterricht angeboten (modersmålsundervisning), das heißt also Deutschunterricht.
Dabei geht es darum, dass die Kinder den Bezug zu ihrer Muttersprache nicht verlieren. Wer die Muttersprache gut spricht/schreibt/liest, tut sich nämlich mit dem Lernen allgemein leichter.
Die Idee ist gut, in der Praxis sieht das jedoch (meiner Erfahrung nach) oft so aus, dass die Kinder in diesen Gruppen unterschiedlich alt sind und sehr unterschiedlich gut Deutsch können. Manche waren Jahre in der deutschen Schule und lesen deutsche Bücher, andere wachsen mit einem deutschen und einem schwedischen Elternteil auf und haben schon beim Sprechen Mühe.
Für die Unterrichtenden, die das einmal pro Woche nachmittags veranstalten, ist das eine Riesen-Herausforderung. Unsere Kinder haben nicht daran teilgenommen. In Großstädten, wo es mehr gleichaltrige Teilnehmer gibt, funktioniert das vielleicht besser.
Im Internet werden die beiden Begriffe immer wieder verwechselt, daher nochmal:
Studiehandledning: Unterstützung zum regulären Unterricht, Erklärungen auf Deutsch.
Modersmålsundervisning: Deutschunterricht in einer Gruppe deutschsprachiger Kinder, einmal pro Woche, meist nachmittags.
In welche Klasse kommt ein Kind beim Umzug nach Schweden?
Hans und Fritz besuchen in Deutschland die 8. Klasse. Beide ziehen nach Schweden um. Hans kommt dort in die 8. Klasse, Fritz jedoch in die 7.
Das ist für deutsche Eltern immer wieder schwer zu begreifen.
Sie fragen, warum Fritz ”zurückgestellt” wird und die schwedischen Lehrer verstehen die Frage nicht, weil sie das deutsche Schulsystem nicht kennen und Fritz doch genau in die richtige Klasse geht.
😊 Hier kommt die Erklärung:
In Schweden werden die Kinder üblicherweise in die Klassenstufe eingeschult, in die ein schwedisches Kind geht, das genau gleich alt ist.
Zu einer Verschiebung gegenüber dem deutschen System tragen zwei Faktoren bei:
1. Die vorangestellte ”förskoleklass”:
Die manchmal ”nullte” Klasse genannte förskoleklass, die alle Kinder besuchen, ist in den Räumlichkeiten der Schule angesiedelt und bietet einen sanften Übergang vom Kindergarten. Hier wird schon ein klein wenig Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, hauptsächlich geht es jedoch darum, dass man sich an die neue Umgebung, die neuen Mitschüler und die üblichen Abläufe gewöhnt. In die erste Klasse kommen die Kinder dann erst mit 6 ½ bis 7 Jahren.
Der nächste Faktor hebt diese Verschiebung bei manchen Kindern wieder auf, bei anderen nicht.
2. Die Jahrgänge entsprechen Kalenderjahren:
Im deutschen Schulsystem hat man ”Schrägstrich-Jahrgänge”.
Zum Beispiel geht der Jahrgang 2012/13 im Moment in die 8. Klasse. Da sind Kinder dabei, die im Herbst 2012 geboren sind, und Kinder, die im Frühjahr 2013 geboren sind. Sie alle werden (oder wurden) im Lauf des 8. Schuljahres 14 Jahre alt.
Im schwedischen Schulsystem erfolgt die Einschulung nach Kalenderjahr, deshalb hat man keine Schrägstrich-Jahrgänge.
Alle Kinder, die 2012 geboren sind, gehen in Schweden im Moment in die 8. Klasse.
Kinder, die im Herbst 2012 geboren sind (wie Hans), sind somit in Deutschland und in Schweden in der 8. Klasse.
Kinder, die im Frühjahr 2013 geboren sind (wie Fritz), gehören in Schweden zum nächsten Jahrgang und gehen erst in die 7. Klasse.
Zusammengefasst:
Herbst-/Weihnachts-Kinder gehen in Schweden in die gleiche Klasse (wo sie dann zu den ”Jungen” gehören, weil sie spät im Jahr geboren wurden).
Frühlings-/Frühsommer-Kinder gehen in Schweden eine Klasse tiefer (wo sie dann zu den ”Alten” gehören, weil sie früh im Jahr geboren wurden).
Veränderungen für Kinder, die ab 2028 eingeschult werden
Ab Herbst 2028 gibt es hier eine Änderung.
Die förskoleklass wird zur 1. Klasse und weniger spielerisch gestaltet.
Dies, nachdem man gemerkt hat, dass die Kinder im lågstadiet (Klasse 1-3) anscheinend zu wenig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und dadurch für die darauffolgenden Klassen zu schlecht gerüstet sind.
(Der Lehrerverbund kritisierte die Reform und meinte, man solle lieber die in den unteren Klassen unterrichtenden Lehrer besser ausbilden.)
Damit gibt es dann eine 10-jährige grundskola.
Dadurch ändert sich die Numerierung der Klassen und in den ab 2028 eingeschulten Jahrgängen gehen Frühlingskinder dann in die gleiche Klasse wie in Deutschland, Herbstkinder dagegen eine Klasse ”höher”.
(Und im Schuljahr 2028/29 gibt es dann zwei erste Klassen gleichzeitig. Eine mit 7-Jährigen nach dem alten System und eine mit 6-Jährigen nach dem neuen. 🙃)
Wie schwierig sind die einzelnen Fächer für deutsche Kinder?
Da sich die Lehrpläne und die Art des Unterrichts in den Ländern unterscheiden, fallen vielen Kindern bestimmte Fächer in der schwedischen Schule mehr oder weniger schwer.
Im Einzelfall hängt das natürlich stark von der Persönlichkeit des jeweiligen Kindes ab und davon, welcher Schultyp in Deutschland besucht wurde. Ein paar allgemeine Tendenzen sehe ich jedoch:
Mathematik ist meist unproblematisch, wenn man die wichtigsten Begriffe gelernt hat, weil die Inhalte „international“ sind. Außerdem sind die deutschen (Schweizer und österreichischen) Schüler oft im Stoff etwas voraus und eher gewohnt, Hausaufgaben zu machen und zu Hause zu üben.
Sehr deutlich zeigt sich das in den höheren Klassen. Im gymnasiet habe ich bei 16-17-jährigen Schülern in Mathematik teilweise Inhalte unterrichtet, die in Deutschland ein bis zwei Jahre früher dran waren.
Für die zweite Fremdsprache (Spanisch, Deutsch oder Französisch) gilt Ähnliches wie für Mathematik. Auch hier sind deutsche Schüler meist im Stoff voraus.
Latein wird nur in der Oberstufe angeboten und auch nur an ein paar wenigen Schulen (im humanistischen Zweig, siehe „Wie funktioniert Schule in Schweden? – Alles, was du wissen musst“ )
Textlastige Fächer wie Gesellschaftskunde oder Naturkunde sind zunächst sehr schwierig (und auch für schwedische Kinder recht umfangreich). Da würde ich die studiehandledning um Vokabellisten mit den wichtigsten Begriffen bitten.
Statt Schwedisch gibt es für ausländische Kinder alternativ das Fach SVA (svenska som andraspråk = Schwedisch als Zweitsprache). Die Alltagssprache zu lernen und mit den Freunden zu sprechen geht recht schnell, Schulbuchtexte komplett zu verstehen, kann mehrere Jahre dauern.
Englisch wird für viele ausländische Kinder zum Problem. Vor allem, wenn sie erst in der fünften Klasse oder später wechseln.
Zum einen sind die schwedischen Schüler meist viel weiter: In der vierten, fünften Klasse werden hier schon kleine Bücher gelesen und aus dem Fernsehen sind schwedische Kinder Englisch gewöhnt, da Filme nicht synchronisiert sondern untertitelt werden. Zum anderen muss ja gleichzeitig Schwedisch gelernt werden.
Wenn die Kinder jünger oder sprachbegabt sind, gibt sich auch das, andernfalls ist es wichtig, dieses Thema gleich anzugehen und gegebenenfalls um Hilfe zu bitten.
Um nach der neunten Klasse auf die weiterführende Schule/Berufsschule zu wechseln, muss Englisch bestanden sein. Beispielaufgaben aus alten Prüfungen am Ende der 9. Klasse findest du hier. (Runterscrollen bis „Focus: Speaking / Reading / Listening / Writing“)
Dass der Englischunterricht in Schweden eine wichtige Rolle spielt, ist verständlich. Mit Schwedisch kann man außerhalb von Skandinavien nur wenig anfangen.
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Wie funktioniert Schule in Schweden? – Alles, was du wissen musst
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