Donnerstagssuppe, Freitagsgemütlichkeit und Samstagssüßigkeiten

Donnerstags Erbsensuppe, Freitags Tacos und Samstags Süßes. Und am 4. Oktober auf jeden Fall Zimtschnecken.

Hier erkläre ich, welche kulinarischen Traditionen in Schweden mit bestimmten Tagen verknüpft sind:

In der kalten Jahreszeit isst man Donnerstags traditionell ärtsoppa.

In „Madita“ schreibt Astrid Lindgren: „Jetzt ist der Herbst wirklich da und nun gibt es in Birkenlund jeden Donnerstag Erbsensuppe.“

Dann folgt die berühmte Geschichte, in der sich Maditas kleine Schwester Lisabet eine Erbse in die Nase steckt, die einfach nicht mehr herauskommen will.

Die Erbsensuppe wird mit schwedischen gelben Erbsen und rimmad fläsk (Kassler) oder Speck zubereitet, abgerundet wird sie mit einem Klecks Senf.

Zum Nachtisch gibt es dünne Pfannkuchen mit Erdbeerkonfitüre und Schlagsahne.

Im schwedischen Supermarkt findet man die Ärtsoppa sogar fix und fertig in dicken, abgebundenen Plastikschläuchen. (Genauso wie Milchreis!) Ich hielt die Dinger zunächst für riesige Würste …

Der Freitagabend gehört traditionell der Familie.

Zum Ausklang der Woche ist fredagsmys, die „Freitagsgemütlichkeit“, angesagt: Eltern und Kinder machen es sich zusammen vor dem Fernseher oder bei einem Spiel gemütlich, vorher gibt es ein schnell zubereitetes oder fertig gekauftes Essen, das Groß und Klein schmeckt.

In den letzten Jahren hat es sich allgemein etabliert, Freitags Tacos/Tex-Mex zu essen. Die Zutaten (Tortilla-Brote, Chips, Saucen …) gibt es in den großen Supermärkten regelmäßig im Sonderangebot.

Seit 2006 steht das Wort fredagsmys übrigens offiziell im Wörterbuch von Svenska Akademien, das vergleichbar mit dem deutschen Duden ist. Man darf es also beim Scrabble verwenden.

Samstags gibt es lördagsgodis, die Süßigkeiten aus dem großen Selbstschöpfregal. Hier greifen sowohl Kinder als auch Erwachsene regelmäßig zu.

Die Regel, samstags Süßes zu essen und unter der Woche nicht, wurde in den Fünfzigern von den schwedischen Gesundheitsbehörden propagiert, da eine einmalige große Portion Süßes weniger Karies verursacht als häufiges Naschen.

Mit dem Hinweis „am Samstag darfst du“ war es für Eltern einfacher, das Naschen unter der Woche zu verbieten.

Die Erfahrung haben wir auch selbst gemacht:

Eine Weile wohnten wir direkt am Marktplatz einer schwedischen Kleinstadt. Dort gab es den typischen Eisstand, der wirklich sehr leckeres Eis verkaufte.

Jedes Mal, wenn wir das Haus verließen, mussten wir da vorbei. Mit kleinen Kindern eine echte Herausforderung. Irgendwann kamen wir auf die Idee, lördagsglass einzuführen: Jeden Samstag gab es garantiert ein Eis.

Es funktionierte: Das Samstagseis wurde zum geliebten Ritual und unter der Woche gab es kein Gequengel mehr.

(Zwei Fliegen mit einer Klappe: Das noch ungesündere Süßzeug aus dem Supermarkt führten wir gar nicht erst ein. Wenn andere Kinder von ihrem lördagsgodis erzählten, sagten wir, bei uns gibt es lördagsglass. Der Kommentar: Aha, machen das die Deutschen so …)

Nicht nur manche Wochentage werden in Schweden mit bestimmtem Essen verknüpft, es gibt auch einige matdagar (Tage, an denen ein bestimmtes Gericht „gefeiert“ wird) im Jahr.

So ist z. B. am 25. März Waffeltag, am 11. Mai chokladbollens dag, am letzten Donnerstag im August surströmmingspremiär und am 4. Oktober Zimtschneckentag.