Schwedisch lernen – schwierig oder einfach? (für Deutsche)

Wie schwierig ist Schwedisch?

Du sprichst Deutsch und vielleicht etwas Englisch? Sehr praktisch.
Dann kannst du relativ leicht grundlegendes Schwedisch lernen.

Das liegt vor allem daran, dass die deutsche und die schwedische Sprache miteinander verwandt sind. Viele schwedische Wörter kann man im passenden Kontext erraten. Zum Beispiel die Öffnungszeiten des großen Supermarktes: alla dagar 7-21. Oder die Schlagzeile Spanien vinner fotbolls-VM 2026! 😊

Außerdem ist die schwedische Grammatik etwas einfacher als die deutsche, weshalb es für Deutsche etwas leichter ist, die schwedische Sprache zu lernen, als umgekehrt.

Wer richtig gut Schwedisch lernen möchte, muss natürlich Zeit und Fleiß investieren. Ähnlich wie beim Englisch-Lernen: Sich einigermaßen verständigen kann man recht schnell, die Sprache wirklich gut zu sprechen und zu schreiben erfordert viel mehr Aufwand.

Als schwierig empfinden viele Lerner die schwedische Aussprache (und damit automatisch auch das Hörverständnis!) und ein paar fortgeschrittene Kapitel der schwedischen Grammatik.

Was genau Deutschen beim Schwedisch-Lernen leicht fällt und was häufig als schwierig empfunden wird, erkläre ich hier. Los geht’s! 😊

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Das ist eher einfach

1. Teile des Wortschatzes

Schwedisch und Deutsch gehören beide zur germanischen Sprachfamilie, Schwedisch zu den nordgermanischen Sprachen und Deutsch zu den westgermanischen. Im Mittelalter wurde die schwedische Sprache außerdem durch die Hanse vom Niederdeutschen beeinflusst. Daher gibt es im Schwedischen viele Wörter, die den entsprechenden deutschen Wörtern ähneln.

Ein einfaches Beispiel, Schwedisch im Vergleich mit Französisch:

Am Beispiel der Körperteile sieht man, dass die schwedischen Wörter für Deutsch-Sprecher viel einfacher zu verstehen sind als die französischen. (Aussprache ungefähr: „munn“, „knäh“, „behn“ und „fuht“ 😊)

Was man auch sieht: Im Schwedischen werden die Wörter (außer Namen, Satzanfänge und Gud = Gott) klein geschrieben. Sehr einfach und angenehm.

Sprachnerdkommentar:

Das schwedische Wort für Bauch (mage) habe ich im Bild bewusst weggelassen, um dich nicht gleich zu verwirren. Während die Deutschen zwischen Brust, Magen und Bauch unterscheiden, heißt bei den Schweden im Alltag alles unterhalb der Brust mage. Bauchweh und Magenweh ist beides ont i magen, auf dem Bauch liegen heißt ligga på mage.

2. Teile der Grammatik

Eine Riesenvereinfachung für Sprachlerner: Die schwedischen Verben werden nicht konjugiert. Bedeutet: Die Wortformen bei den „Tunwörtern“ werden nicht an die Person angepasst. Juhu!👌😁

Ein Beispiel: essen = (att) äta
(das att entspricht dem englischen to in to eat)

ich essejag äter
du isstdu äter
er/sie issthan/hon äter
wir essenvi äter
ihr esstni äter
sie essende äter

Unterschiedliche Formen von „essen“ im Deutschen, immer die gleiche (äter) im Schwedischen. Man sieht auf Schwedisch also nur am Wort davor, wer da gerade etwas isst.

Wenn jemand aß, heißt es in allen Personen åt und wenn jemand gegessen hat, har ätit.

Das reduziert den Lernaufwand gewaltig!

Und wenn du dich fragst, warum ich „es isst“ nicht dabei habe: Hier unterscheiden die Schweden zwischen den/det äter. Den Unterschied erkläre ich in einem anderen Artikel.


Außerdem gibt es im Schwedischen bei den Substantiven (Hauptwörtern) nur zwei „Sorten“ (en- und ett-Wörter, während es im Deutschen drei gibt (der, die, das).

3. Die Satzstellung (häufig)

Die schwedische Satzstellung ist in einfachen Sätzen oft wie im Deutschen, d.h. man macht sie meist automatisch richtig.

Vergleiche:

Wir essen Pizza. –> Vi äter pizza.

Heute essen wir Pizza. –> Idag äter vi pizza.

Im oberen Satz heißt es in beiden Sprachen wir essen, im unteren wird es umgedreht zu essen wir. Wer Deutsch spricht, macht das automatisch richtig. Engländer, Franzosen, Spanier, Italiener … müssen das mühsam üben.


Das ist eher schwierig

1. Die Aussprache (und damit auch das Hörverständnis)

Die schwedische Aussprache wird oft als Herausforderung empfunden, da es gewisse schwedische Laute im Deutschen nicht gibt.

Dazu gehören die sj/sk/tj-Laute, die ähnlich wie ein „ch“ oder ein „sch“ mit einer heißen Kartoffel im Mund gesprochen werden.

Beispiele: sjö = See, sjuksköterska = Krankenschwester/Krankenpfleger, tjugosju = 27


Weitere Beispiele sind das schwedische lange a, das ausgesprochen wird, wie das „a“ wenn ein Hamburger Fischhändler „Adelheid“ sagt oder ein Sachse „Guten Tag“ (zum Beispiel im Wort mage = Bauch/Magen) und das schwedische y, das zwischen dem deutschen „ü“ und „i“ liegt.

Dazu kommen noch die typisch schwedische Betonung der Wörter und die Sprachmelodie, die manchmal als „Singsang“ empfunden wird.

Doch keine Angst: Die Schweden selbst sprechen je nach Region ein wenig anders und du musst längst nicht alles perfekt machen, um gut verständliches Schwedisch zu sprechen! 😊

Wichtige und weniger wichtige Regeln

In meinem Sprachunterricht achte ich darauf, von Anfang an die wichtigsten Punkte auf einfache und anschauliche Weise zu vermitteln.

So ist die Unterscheidung zwischen kurzen und langen Lauten super wichtig, damit du gut verstanden wirst. (Und Gehörtes verstehst!)

Beispiele:

villa (Einfamilienhaus) wird „willah“ ausgesprochen,
vila (sich ausruhen) dagegen „wiehla“.

Sprichst du das schwedische Wort bok (Buch) nicht „buhk“ aus, sondern „bock“, meint dein Gegenüber, du sprichst von einem Tier.

Und wenn du das Wort snopen (erstaunt und gleichzeitig enttäuscht) statt richtig „snuhpen“ aus Versehen „snoppen“ aussprichst, sorgst du garantiert für Verwirrung! (snoppen = das männl. Geschlechtsteil)😁

Wenn du das mit den kurzen und langen Lauten hinbekommst, wird es für Schweden gleich sooo viel einfacher, dich zu verstehen. (Und die Chance, nette Bekannte zu finden, die sich nochmal mit dir treffen wollen, erhöht sich stark!)

Tipp: Markiere bei neuen Wörtern mit einem Strich oder einem Punkt unter dem Wort, ob es lang oder kurz ausgesprochen wird.


Die perfekte Aussprache des schwedischen y ist dagegen längst nicht so wichtig. Du wirst problemlos verstanden, wenn du ein deutsches „ü“ sprichst und zur Zahl 4 „führa“ statt fyra sagst.

Allerdings wissen dann gleich alle, dass du aus Deutschland kommst … 😊 Wenn du das nicht willst, habe ich ein paar Tricks auf Lager, mit denen du auch das schwedische y richtig hinbekommst.

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2. Die Ähnlichkeit zum Deutschen kann manchmal verwirren

So werden viele schwedische Wörter fast, aber eben nicht ganz genau so wie die entsprechenden deutschen geschrieben und ausgesprochen. „Paradies“ heißt zum Beispiel paradis. Das „e“ fehlt und die Betonung liegt auf der ersten Silbe, die lang ausgesprochen wird: „pahra-dies“.

Gerade beim Schreiben führt das gerne zu Unsicherheiten. Schreibt man Brot auf Schwedisch brod, bröd oder bröt …?

Außerdem gibt es im Schwedischen für deutsche Sprachlerner einige sogenannte „false friends“ d. h. Verwechselwörter, bei denen man als Deutscher spontan eine Bedeutung annimmt, die jedoch nicht stimmt.

Beispiele:

en stund = eine kleine Weile

en timme = eine Stunde

svimma = ohnmächtig werden

simma = schwimmen

semester = Urlaub (sommarsemester = Sommerurlaub 🏵️)

termin = Semester

(bokad) tid = Termin

3. Schwedisch unterscheidet manchmal genauer

Wenn ich gefragt werde, was „schneiden“ auf Schwedisch heißt, dann antworte ich „kommt drauf an“: Schneiden mit der Schere heißt klippa, schneiden mit dem Messer oder einem ähnlichen Werkzeug heißt skära. (sk war der Laut mit der heißen Kartoffel …)

Und „Teig“ heißt deg, wenn man ihn kneten kann, und smet, wenn er gerührt wird. (Beides mit langem „e“.)

Was Deutsche immer wieder verwirrt: ”Spielen” heißt auf Schwedisch spela, wenn nach Regeln oder Noten gespielt wird (Sport, Brettspiele, Computerspiele, Musik …), aber leka, wenn es sich um freies Spiel bzw. „herumspielen“ handelt.

Erzählt man, dass der einjährige Kalle im Sandkasten spielt, muss man also leka verwenden, sonst meint der Zuhörer, der Kleine sei entweder ein Schachgenie oder schon mit einem Jahr Tablet-süchtig …

Die Beispiele zeigen, dass es gerade am Anfang sinnvoll sein kann, von jemandem Schwedisch zu lernen, der die Sprache aus einer „deutschen“ Perspektive erklären kann. (Sowohl den Wortschatz als auch die Grammatik und die Aussprache.)

Schwedische Muttersprachler sind sich der möglichen Missverständnisse und Lernschwierigkeiten bei Deutsch-Sprechenden nicht immer bewusst und weisen daher nicht unbedingt auf wichtige Unterschiede hin.


Fazit

Lass dich von der am Anfang etwas ungewohnten Aussprache nicht abschrecken. 10 Millionen Schweden (von denen viele noch in den Kindergarten gehen!) bekommen das hin und mit den richtigen Tipps und Übungen ist die Aussprache wirklich sehr gut zu meistern.

Ansonsten ist Schwedisch für Deutsche relativ einfach zu lernen und es macht vor allem sehr, sehr viel Spaß! Du kannst dann sogar verstehen, was die Namen der Ikea-Produkte bedeuten. 😉



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Wer schreibt hier?

Christina ist Lehrerin, Sprachtrainerin und Übersetzerin.
Sie lebt seit mehr als 18 Jahren in Schweden.

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