Juli in Schweden. Sommer, Sonne und Urlaub in der „schwedischen Toscana“. Seltsame Flohmarkt-Fundstücke und jede Menge Musik. Dazu ein wenig Gemüse. Viel Vergnügen beim Lesen!
Urlaub in Österlen, der schwedischen Toscana
Anfang Juli waren wir im Urlaub in einem Häuslein in der wunderschönen schwedischen Region Österlen.
Wo die liegt? Ganz leicht auf der Karte zu finden: Der linke untere „Zipfel“ von Schweden heißt Skåne (deutsch „Schonen“), davon die rechte untere Ecke ist Österlen (gesprochen Öster-léhn).

Herrliche Landschaften, Weite und Meer
Österlen wird manchmal als die schwedische Toscana bezeichnet, wegen des milden Klimas, des besonderen Lichts und der großen Zahl von Künstlern und Gastronomen, die sich hier niedergelassen haben.
Landschaft und Architektur erinnern mich selbst an die Normandie: gemütliche Fischerdörfer, breite Sandstrände, Apfelbäume, kleine Fachwerkhäuser, eine meilenweite Aussicht und im Hintergrund immer das Meer.
Eine herrliche Gegend für einen gemütlichen Rad- oder Wanderurlaub – wenn man jetzt nicht unbedingt auf Wald und rote Häuslein eingestellt ist. Dafür sollte man den Sommer wählen. Im Frühling und Herbst fegt oft der Wind über die weiten Ebenen.
Im Meer gebadet hat diesmal nur die Hälfte der Familie (seehr kurz, mit 8-12 Grad war das Wasser ungewöhnlich kalt), ich war in der anderen Hälfte. 😉 Allein der Ausblick aufs Meer und die weiten Strände waren jedoch toll und total entspannend.
Österlen ist außerdem das schwedische Rapsland. Im Mai leuchtet die ganze Region goldgelb. Auf dem Hof Gunnarshögs Gård konnten wir uns anschauen, wie der Rapsanbau funktioniert und wie das „flüssige Gold von Österlen“ gepresst wird. Sehr nett und familiengerecht.

😍So was mag ich: liebevoll und mit einfachen Mitteln gemacht und die Kinder sind nicht davon wegzukriegen. Erst mit dem Traktor durch die Waschanlage, dann noch tanken (mit alten Staubsaugerschläuchen!😁). Auf der anderen Seite hängen Spülbürsten an Schnüren. Auch sie werden eifrig benutzt. (tvätta = waschen)
Außerdem haben wir die Burg Glimmingehus, eine der best erhaltenen Ritterburgen Skandinaviens, nach mehreren Jahren zum zweiten Mal besucht. Und wieder einmal gestaunt, wie vor Jahrhunderten ohne große Maschinen gebaut und ohne heutigen Komfort gelebt wurde.



Typisch schwedisches Sommervergnügen: Loppis!
Was machen Schweden im Sommer? (Außer zu schwimmen, Eis zu essen und die stuga zu renovieren?) – Klar: Sie besuchen den Flohmarkt!
Ganz besonders viele Flohmärkte gibt es in Österlen. Gefühlt alle ein bis zwei Kilometer taucht ein Loppis-Schild auf. Wir sind den Schildern gefolgt und landeten mal …
- bei Privatleuten im Hof,
- beim örtlichen Fußballverein, der seine Kasse aufbessern wollte,
- bei professionellen Secondhand-Verkäufern,
- auf einem lustigen Dorffest (Traktorausstellung und Rundfahrt im Feuerwehrauto inklusive)
- und im Stadtpark
Auf den Flohmärkten kann man sich für wenig Geld mit Büchern, Geschirr, Retro-Handtaschen, Stricknadeln, Kerzenleuchtern, Jugendstil-Lampen, Werkzeug, Möbelstücken, originellen Dekoartikeln und vielem, vielem mehr eindecken. Natürlich auch mit Dingen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie ganz dringend braucht.
Tipp für alle, die Schwedisch lernen: Besorge dir auf dem Loppis schwedische (Kinder)bücher!
>> Hier erkläre ich dir, ob es schwierig ist, Schwedisch zu lernen, oder total einfach.





Was mir dabei aufgefallen ist: Viele Flohmärkte und kleinere Veranstaltungen sind im Internet nicht oder nur schwer zu finden. Die Leute genießen lieber den Sommer, als ihre Websites und Facebook-Seiten zu aktualisieren. 😉
Recht haben sie. Genügend Kundschaft kommt auch so. Plane also nicht zu viel an Handy oder Computer, sondern frage die Einheimischen oder folge spontan den oft selbstgemalten Hinweisschildern. Dabei macht man die schönsten Entdeckungen.

Neues Kaninchen-Lieblingsspielzeug: das (babysichere) Loppis-Kuscheltier, das überall herumgeschleppt wird. 😊
(Fragt mich nicht, warum das Kind zwei verschiedene Socken anhat …)
Abends haben wir mehrmals kubb gespielt, bis uns bei Einbruch der Dunkelheit winzige Mücken zu sehr auf den Wecker gingen. (Das ist das Wikingerspiel, bei dem man runde Wurfhölzer auf eckige Holzklötze wirft.) Hier erkläre ich die Spielregeln.
Musikfestival in Karlshamn
Kurz nach dem Urlaub stand schon das nächste Großereignis an: das Stadtfest/Musikfestival Östersjöfestival bei uns in der Stadt, das jedes Jahr in KW29 vom Stapel läuft.
Musik der verschiedensten Stilrichtungen mit regionalen, nationalen und internationalen Gruppen auf allen Straßen, Plätzen und Gassen, am Hafen und in der Bucht. Dazu Essensstände, Tivoli, Ausstellungen, eine Segelregatta … Diesmal waren u. a. der Pianist Peter Jablonski und die Royal Canadian Mounted Police Pipes, Drums and Dancers mit dabei.
Die ganze Stadt ist vier Tage (und Nächte) auf den Beinen, dieses Jahr bei herrlichem Sommerwetter. Dass ich von den lokalen Mitwirkenden viele kannte, machte es natürlich besonders reizvoll.





Trockenheit, Hitze und Gartengemüse
Apropos herrliches Sommerwetter. Für das Festival war es natürlich toll, dass es so warm war, für den Grundwasserspiegel und die Natur jedoch leider nicht.
Südschweden hat im Sommer seit Jahren große Probleme mit der Trockenheit. Darüber staunen Touristen (angesichts der vielen Seen) immer wieder. Bäume vertrocknen und teilweise wird nach einem trockenen Frühling der Grundwasserspiegel so niedrig, dass mancherorts die Wasserversorgung gefährdet ist.
Besonders betroffen sind die zahlreichen Häuser, die außerhalb von Ortschaften liegen und ihr Wasser durch eine eigene Grundwasserpumpe erhalten. Im heißen Sommer 2018 haben wir erlebt, dass diese Häuser dann einfach kein Wasser mehr hatten, d.h. auch keine Dusche, keine Waschmaschine, keine Toilettenspülung … Da wird einem erst bewusst, wie viel kostbares (Trink!-)wasser man täglich verbraucht. Die Gemeinden öffneten damals Sporthallenduschräume und stellten Tankwagen auf.
Seit Anfang Juli herrscht deshalb bei uns in der Region wieder einmal bevattningsförbud = Bewässerungsverbot. Bedeutet: Kein unnötiges Wasser verbrauchen, möglichst kurz duschen, gießen gezielt mit der Kanne usw. Aktivitäten wie Rasensprengen, Autowaschen oder den Pool befüllen sind nicht erlaubt.
Ich finde es ja hier in Schweden schon unerträglich heiß, wenn es tagsüber knapp 30 Grad hat. Wenn ich dann an die Hitze bei der Verwandtschaft in Süddeutschland denke … Dass dort die Sommerferien jetzt erst beginnen, können sich die Leute hier kaum vorstellen. Im August werden die schwedischen Abende schon wieder kühler und in etwas mehr als einer Woche beginnt (für die Lehrer) das neue Schuljahr.
Im Garten gibt es etwas Gemüse, aber leider längst nicht so viel, wie ich erhofft hatte. Ein Teil ist im Frühling den Schnecken zum Opfer gefallen, ein Teil später der Sommerhitze.
Was recht gut funktioniert, sind kombinierte Tomaten-Bohnen-Beete. Die Tomaten sind Starkzehrer, die Bohnen binden Stickstoff aus der Luft und „düngen“ so. Ab und zu gieße ich die Beete mit stark verdünntem Brennesseltee. (Als Alternative zur Brennesseljauche, nachdem sich der Rest der Familie weigert, den Gestank auszuhalten.) 😊 Den Tomaten habe ich außerdem ein paar Brennesseln und etwas Hasenmist in die Pflanzlöcher gegeben, das scheint ihnen zu gefallen.
>> Hier findest du jede Menge leckere schwedische Rezepte, mit Zutaten auf Deutsch und Schwedisch.



Gegossen habe ich, so weit es ging, mit Regenwasser aus der großen Tonne. Wir haben nur eine, die an ein Fallrohr angeschlossen ist, daneben steht eine zweite, in die umgefüllt wird. Natürlich sind nach ein paar heißen Tagen beide leer.
Neulich habe ich dann an einem Regentag das Wasser aus den restlichen Fallrohren in Eimer und Wannen „ausgeleitet“. Die Gefäße waren immer ruckzuck voll und ich bin die ganze Zeit im Regen ums Haus gewandert und habe Wasser in die freie Tonne umgefüllt. 🙂

Gemüse und Obst wachsen und gedeihen zu sehen, ist wunderschön, gleichzeitig überlege ich jedes Jahr im Spätsommer, ob sich die Mühe überhaupt lohnt. Und jedes Jahr im Frühling säe ich dann doch wieder total enthusiastisch neue Pflanzen …
Und sonst?
- Da ich fast bei jedem Einkauf am riesigen Kühlregal verwirrte Touristen berate (tausend Milchprodukte, die alle ähnlich aussehen und seltsame Namen haben🤔), stelle ich die Übersicht zu den schwedischen Milchprodukten nun als Download bereit. 😁
- Im August gibt es einen kostenlosen Schnupper-Schwedischkurs (2×45 min). Live, online und in einer netten Gruppe. Mehr Infos findest du >> hier. Mach doch einfach mit! Es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig.
- Mein schwedischer Buchtipp: Im Juli habe ich Sven Nordqvists Kinderbücher „Eine Geburtstagstorte für die Katze“ (ab 4 Jahren) und „Pettersson und Findus bauen ein Auto“ (ab 2 Jahren) an liebe kleine Menschlein in Deutschland verschenkt. Dabei habe ich ecolibri.de als gute Alternative zum üblichen Großversender entdeckt.
- Ausblick auf den August: Am dritten Donnerstag im August ist in Schweden Surströmmingspremiere (falls du dich traust 🤭🐟)
Außerdem muss ich herausfinden, warum ich in WordPress manchmal deutsche Anführungszeichen (unten, oben) und manchmal englische (oben, oben) bekomme …
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Was ich im Juli gebloggt habe
Trotz Urlaub habe ich einige Blogbeiträge geschafft. Darunter gleich zwei zur schwedischen Sprache. Nach den ersten Monaten mit der Website kam ich nämlich irgendwann zur Einsicht:
Wenn die Leute meine Sprachkurse finden sollen, dann muss ich doch auch über die schwedische Sprache und das Schwedisch-Lernen schreiben. Also los! 🙂
- Schwedisch lernen: schwierig oder total einfach? (wenn du Deutsch kannst)
- Jordgubbstårta – Schwedische Erdbeertorte
- Knäckebrödspizza, die schnelle schwedische Pizza-Variante
- Was heißt Oma auf Schwedisch? – Lies und staune.
- Kubb: das schwedische Wikingerspiel einfach erklärt.








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