Der schwedische Mai war wieder wunderschön, in mehrfacher Hinsicht. Endlich Frühling! Es grünt in der Natur und unser Apfelbaum hatte Mitte Mai tausend Blüten. Ich habe Spargel geerntet, übersetzt, gelernt und mit liebem Besuch aus Deutschland einen Inselausflug gemacht.
Mit dem Rad zur Arbeit an den heimischen Schreibtisch
Jetzt, wo endlich schönes Wetter ist, fahre ich morgens manchmal mit dem Rad „zur Arbeit“. D. h. ich drehe eine Runde durch die Natur und genieße das frische Grün und die Helligkeit nach dem langen Winter. Durchgelüftet und wach geht es dann an den Schreibtisch.


Am Schreibtisch habe ich übersetzt, unter anderem Gebrauchsanweisungen für schwedisches Outdoor-Kochzubehör. Das macht Lust auf Sommer, Wandern und Essen am Lagerfeuer. Ich übersetze für den Hersteller seit Jahren und sollte mir die Geräte vielleicht endlich einmal kaufen …
Leider sind die Übersetzungsaufträge insgesamt sehr stark zurückgegangen, KI sei „Dank“. Erst neulich habe ich erfahren, dass eine schwedische Kollegin ihren Laden dichtgemacht hat und nun einer ganz anderen Arbeit nachgeht.
Oft soll man gar nicht mehr selbst übersetzen, sondern im Post Editing „nur noch schnell“ KI-Übersetzungen korrigieren. Die sind mal erstaunlich gut, mal unglaublich schlecht. Und oft steckt der Teufel im Detail. Mal eben schnell drüberschauen funktioniert selten.
KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und sagt nie „dieser Text übersteigt meine Kompetenz“, sondern erfindet im Zweifelsfall einfach eine Übersetzung, lässt auch mal Inhalte weg oder fügt selbst neue hinzu. (Macht also genau das, was eine professionelle Übersetzerin nicht tun soll.)
Bei näherem Hinsehen findet man in zunächst wunderbar klingenden Texten immer wieder sachliche oder logische Fehler. Das macht die Korrektur anstrengend und aufwendiger, als sich der Kunde das vorstellt.
Frühling und Spargel im Garten
Vom schwedischen Frühling bin ich immer wieder aufs Neue überwältigt. Er kommt etwas später als in Deutschland und oft sehr plötzlich und intensiv. Wie im Zeitraffer. Ende April kann man kaum ohne Mütze und Handschuhe nach draußen und alles ist noch kahl und grau. Ein paar Tage später bekommt man einen Sonnenbrand, wenn man eine Viertelstunde im Freien sitzt, und die Natur explodiert förmlich.
Seit Anfang Mai ernte ich regelmäßig frischen Spargel! 😍 Auf das Beet bin ich recht stolz. Erst habe ich mich jahrelang davor gedrückt und gedacht „Bis ich die ersten ernten kann, dauert das ja drei Jahre …“ Irgendwann habe ich dann doch ein Hochbeet aus Palettenrahmen angelegt.
Dann wurde mir klar, dass Spargelpflanzen länger leben als hölzerne Palettenrahmen. Also habe ich das Beet mit alten Ziegelsteinen ummauert. Das hat Spaß gemacht, auch wenn eine liebe Freundin meinte: „Einen Gesellenbrief kriegst du dafür nicht.“ 😉 Für ein erstes Projekt, dazu mit ganz leichter Hanglage und um die Ecke herum, gar nicht sooo übel. Den Spargeln scheint es zu gefallen. (Eine Handvoll angetrocknete, importierte Stängel kostet im Supermarkt ca. 70 Kronen. Vielleicht sollte ich vom Übersetzen auf Spargelanbau umsteigen.)
Die Gartensaison ist hier leider relativ kurz, daher ziehe ich viele andere Pflanzen im Haus vor und schleppe im April/Mai die ganze Herrlichkeit dann immer wieder für ein paar Stunden raus, um die Pflanzen an die Sonne zu gewöhnen.


Weiterbildung zu Kommunikation
Meine sehr interessante Weiterbildung zu kommunikation och kognitivt stöd ging in die nächste Runde. Dabei geht es um Kommunikation allgemein, um Kommunikationsstörungen und um die sinnvolle Anwendung von geeigneten Hilfsmitteln (Augmentative and Alternative Communication AAC, TEACCH-Programm usw.).
Ich mache das im Hinblick auf Schüler, die bestimmte Schwierigkeiten haben (Konzentrationsprobleme, Autismus …), andere Teilnehmer arbeiten mit Stroke-Patienten oder in Wohnanlagen für Menschen mit Down-Syndrom oder Demenz.
Ein kleines Detail, das mir aufgefallen ist: Visuelle Timer sind in Deutschland meist rund, in Schweden gibt es auch längliche, mit Leuchtdioden.
Was sonst noch los war
- Ich bin dabei, einen kurzen Schnupper-Schwedischkurs zusammenzustellen, und habe dazu in meinem Fundus Material und Ideen gesichtet. Der kostenlose Kurs soll 2×45 min umfassen. Hier gibt es mehr Infos dazu.
- Mein Verein hat ein Konzert mit dem Baltic Bassoon Quartet organisiert. Familiäre Stimmung, tolle Musik und sehr nette Künstler.
- Lieber Besuch aus Deutschland kam vorbei und wir haben gemeinsam bei herrlichem Wetter einen Ausflug auf die Insel Tjärö gemacht. Meine Lieblingsinsel und immer wieder wunderschön. Wir waren am Pfingstmontag da, der hier kein Feiertag ist, und hatten die Insel fast für uns allein.



Was ich im Mai gebloggt habe
Nicht gerade Schwedenblog-Mainstream 😁
- 7 Fun Facts über schwedische Vornamen
- Freizeit-Toiletten in Schweden
- Marängsviss, ein luftiger schwedischer Nachtisch
P. S.: Am 31. Mai ist in Schweden Muttertag. Wer in den letzten Tagen in einem schwedischen Supermarkt war, konnte das nicht übersehen. Berge von Pralinen, Blumen, Geschenkartikeln …
Was kommt im Juni?
Auf jeden Fall natürlich ein ausführlicher Artikel zu midsommar! Und zwar schon ein paar Tage vorher, damit du dich mit den Tipps aus dem Artikel auf die Feier vorbereiten kannst.
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Wer schreibt hier?
Christina ist Lehrerin, Sprachtrainerin und Übersetzerin. Seit 18 Jahren lebt sie in Südschweden.
Auf einfachschwedisch.de schreibt sie über die Schönheit und die Tücken des schwedischen Alltags, teilt die leckersten schwedischen Rezepte und erklärt Touristen, Schweden-Fans und Auswanderern das Land und die schwedische Sprache.
Ihre Schwedisch-Sprachkurse gibt es demnächst online. Da sie richtige Bücher liebt, möchte sie außerdem die Lesegruppen Läslust starten, in denen sie mit ganz leicht fortgeschrittenen und fortgeschrittenen Schwedenfans schwedische (Kinder-)Bücher liest.
Mehr über Christina erfährst du hier.
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