Freizeit-Toiletten in Schweden

Mein Artikel wurde ursprünglich auf schwedenstube.de veröffentlicht, dies ist eine aktualisierte und erweiterte Fassung vom Mai 2026.

Schweden verbringen ihren Urlaub gerne in der Natur. Möglichst weit weg von Arbeit, Alltag, Autoverkehr und störenden Nachbarn.

Der richtige Erholungseffekt stellt sich also erst ein, wenn man sich in eine Hütte begibt, die so richtig weit ab vom Schuss liegt.

Fernab der Zivilisation bedeutet jedoch oft auch fernab von modernen Bequemlichkeiten wie fließendem (Ab-)Wasser. Da muss für die Toilette eine passende Lösung gefunden werden.

Ein Erlebnis der besonderen Art – die schwedische Freizeit-Toilette

In Schweden haben ganzjährig bewohnte Häuser, die weit außerhalb liegen und nicht ans Abwassernetz angeschlossene sind, oft einen großen verbuddelten Tank, der regelmäßig vom spolbil (einem speziellen Tankwagen) geleert wird. Für Ferienhäuser und Hütten funktioniert das nicht immer.

Um das Problem der fehlenden Abwasserleitungen in der schwedischen stuga zu lösen, hat man daher einen eigenen Industriezweig geschaffen: Die Herstellung von alternativen Toiletten.

Die verschiedenen Arten der fritidstoalett

Fünf verschiedene Arten von Freizeit-Toiletten sind in Schweden üblich:

  • Komposttoiletten (mulltoalett), die alle paar Wochen oder Monate geleert werden. Der Inhalt wird mit Pellets vermischt und zur besseren Kompostierung manchmal umgerührt. Das kann automatisch erfolgen. Ein Ventilator leitet Gerüche über ein Rohr nach draußen.
  • Komposttoiletten mit Urintrennung (separett). Diese Komposttoiletten wurden in Schweden entwickelt. Sie sind deutlich geruchsärmer und effektiver, jedoch etwas umständlicher in der Benutzung, besonders für die eine Hälfte der Menschheit. Auch hier werden Gerüche durch einen Ventilator ins Freie geleitet.
  • Verbrennungstoiletten (förbränningstoalett). Eine Art riesiger Kaffeefilter wird vor jeder Benutzung eingelegt, er verschwindet auf Knopfdruck in der Versenkung und alles wird mit Hilfe von elektrisch erzeugter starker Hitze zu Asche. Verbraucht viel Strom. Schwierig zu reparieren.
  • Gefriertoiletten (frystoalett). Diese Variante haben wir noch nicht getestet. Der Inhalt der Toilette wird direkt gefroren, weshalb es nicht zur Zersetzung oder Geruchsbildung kommt. Später wird er im Freien in einem geschlossenen Behälter kompostiert. Muss oft geleert werden. Verbraucht weniger Strom als die Verbrennungstoilette.
  • Das klassische Plumpsklo im Freien (utedass).

Bei der Buchung der schwedischen stuga beachten

Bei der Buchung einer abgelegenen stuga sollte man also etwas darauf achten, von welcher Art die zugehörige Toilette ist. Steht da „utedass“, dann handelt es sich um das Häuschen mit dem Herzen in der Tür!

Bei unserem allerersten Schweden-Urlaub auf einer Insel haben wir das übersehen. Da gab es ein dass, das ein Stück weit weg vom Haus im Wald lag und Wasser wurde am Brunnen gepumpt. Sehr idylisch – bei schönem Wetter.

(Warum schwedische Schüler das deutsche Wort „dass“ lustig finden, weißt du jetzt auch: Es heißt Plumpsklo! Und ute, gesprochen „ühte“ = draußen.)

Das Plumpsklo im Schweden-Urlaub
Ein klassisches utedass. In dem Eimer ist Kompoststreu.

Laut einer aktuellen Umfrage (Frühjahr 2026) werden die Varianten separett und mulltoa am häufigsten verkauft.

Wer es ganz genau wissen will, kann sich auf YouTube unter dem Stichwort fritidstoalett die verschiedenen Modelle erklären lassen. 😁

Wir haben im Lauf der Jahre die meisten Modelle kennengelernt. Für einen Stuga-Besitzer habe ich sogar die Toiletten-Bedienungsanleitung auf Deutsch übersetzt.

Mit dem Boot zur Toilette

Einmal hatten wir eine Hütte an einem See hier in der Gegend gemietet. Nach ein paar Tagen war die Verbrennungstoilette defekt (ein Gerät mit dem sinnigen Namen Cinderella). Das vom Besitzer der Stuga bestellte Ersatzteil sollte nicht vor Ende unseres Urlaubs eintreffen. Uns wurde angeboten, in eine andere Hütte, auf der anderen Seite der kleinen Bucht, umzuziehen. Da diese jedoch längst nicht so schön gelegen war, benutzten wir dort nur die Toilette.

Von diesem Steg sind wir losgerudert.

Sobald jemand also ein dringendes Bedürfnis verspürte, hieß es: Schwimmweste anziehen, runter zum Steg, ins Boot springen und schräg nach links über die Bucht rudern. Für die Kinder eines der lustigsten Ferienerlebnisse. 😊


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