September in Schweden. Neue Sprachschüler und eine Fortbildung. Schwedisches Hausfrauenleben in der 1950ern und ein ungleiches Duo auf Interrail-Abenteuer. Dazu Gedanken zum Selfpublishing und viele Äpfel. Viel Vergnügen beim Lesen! 🙂
Übersetzungen und neue Sprachkurse
Nach dem beruflich ruhigen Sommer war im September wieder mehr los.
Ich habe übersetzt, unter anderem Parfüm-Produktbeschreibungen aus dem Französischen ins Deutsche. Die sind auf Französisch oft unglaublich elegant und voller poetischer Metaphern. Im Deutschen muss man da aufpassen, dass das nicht zu affektiert wirkt. Mein Glück: Einer KI fehlt dafür einfach das Gespür. 😉 (Wofür der KI sonst noch das Gespür fehlt, erzähle ich am Ende dieses Posts.)
In Zusammenarbeit mit der Stockholmer Agentur Upgrades unterrichte ich zwei neue Schwedisch-Gruppen bei einem großen Unternehmen hier in der Gegend. Die Herausforderung dabei: Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern und haben je nach Muttersprache ganz unterschiedliche Schwierigkeiten mit Aussprache und Grammatik.
Außerdem habe ich sehr sympathische neue deutsche Kunden im Online-Schwedischunterricht.
>> Hier erkläre ich dir, ob es schwierig ist, Schwedisch zu lernen, oder total einfach.
Ein tolles Duo auf Interrail-Tour
Mitte September hatten wir total netten und sehr originellen Besuch. Ein entfernter Verwandter (Mitte 20) war auf Interrail-Tour mit seiner fast 80-jährigen Tante. Die weißhaarige Dame trippelte vorsichtig mit ihrem Rollator den Bahnsteig entlang, war geistig mehr als topfit und dazu unglaublich nett und lustig. Der Begriff best ager bekam für mich nochmal eine ganz neue Dimension. 😀
Das unternehmungslustige Duo war in Süddeutschland gestartet und hatte mit Zug und Schiff sowohl die norwegische Küste mit ihren Fjorden als auch Oslo, Stockholm und die schwedische Provinz besucht. Nach dem Abstecher zu uns ging es weiter Richtung Kopenhagen.
Stuga, Stövchen und schwedisches Hausfrauenleben in den 1950ern
Im Juli-Rückblick hatte ich berichtet, dass Schweden im Sommer liebend gerne auf den zahlreichen Flohmärkten auf Schnäppchenjagd gehen.
Im schwedischen Herbst und Winter besucht man stattdessen Secondhand-Geschäfte und Antiquariate.
Auch das ist immer ein wenig wie Schatzsuche, gemäß dem schwedischen Sprichwort: Den enes skräp, den andres skatt. (Der alte Krempel des einen ist der Schatz des anderen.)
Meine eigene Beute vom letzten Antiquariatsbesuch: zwei Bücher über die schwedische Sprache und eine Hausfrauenzeitschrift aus den 1950ern.


Was die Stuga mit dem Stövchen zu tun hat
In Svenska skrivregler wird z. B. erklärt, warum der Dom in Uppsala nur Uppsala domkyrka heißt (und nicht Uppsalas domkyrka).
In Ord med historia erfährt man, dass das Wort stuga in Schweden ursprünglich stuva hieß und wahrscheinlich im Mittelalter aus dem Niederdeutschen übernommen wurde. Dort bezeichnete stova einen Raum, der mit Feuer beheizbar war. Stova kommt wiederum von einem lateinischen Wort, das mit dem französischen étuve, dem italienischen stufa und dem englischen stove verwandt ist. Das heißt, die schwedische Stuga und das deutsche Stövchen sind ziemlich sicher Verwandte!
Die meisten Menschen führen wahrscheinlich auch ohne diese Infos ein glückliches Leben, für mich als Sprachlehrerin ist sowas interessant. 😉
Schwedisches Hausfrauenleben in der 1950ern
Die Hausfrauenzeitschrift aus den 50ern ist der Hammer! Sie enthält Tipps für die moderne Hausfrau und Mutter, Rezepte mit nicht wirklich appetitlichen Bildern, Nähanleitungen, einen schmalzigen Fortsetzungsroman und eine wahre Schicksalserzählung.
Das Ganze gewürzt mit Stellenanzeigen (meist Haushaltshilfen oder Kindermädchen) und Fortbildungsangeboten (von Koch- und Haushaltsschulen oder Stockholms Damfrisöracademie).



Außerdem natürlich jede Menge Reklame für Kindersachen, Gesundheits- oder Schönheitsprodukte: 😁
Bild 1: Werbung für eine Salbe, die die durch die Hausarbeit in Mitleidenschaft gezogenen Hände pflegt: „Was der Tag verdirbt, heilt Lazarin in der Nacht.“
Bild 2: Der sensationelle Lockenwickler aus Paris!
Bild 3: Werbung für ein Salz, das das Problem mit Omas Verstopfung zuverlässig löst, sodass sie wieder topfit für die Enkel ist.
😂Mal sehen, was die Welt in 75 Jahren über unsere heutige Lebensweise denkt …
🙂Nichts verpassen: Melde dich zu meinem Newsletter an und du erfährst, wenn es hier etwas Neues gibt!
Update zum mehr als seltsamen Text über mein Kochbuch
Im letzten Rückblick hatte ich erzählt, dass ich beim Googeln nach meinem schwedische Kochbuch auf einer großen Buchkauf-Plattform einen unglaublich übertriebenen, schwülstigen Werbetext entdeckt hatte. Inhaltlich teilweise falsch und stilistisch auf einer Skala von eins bis zehn bei minus 17.
Ich schrieb die Verantwortlichen an und bekam sehr schnell Antwort vom Geschäftsführer persönlich, der sich aufrichtig für den völlig verkorksten Text entschuldigte. Das Unternehmen, das europaweit Bücher verkauft und vermittelt, hatte zum Verfassen der Buchbeschreibungen eine KI eingesetzt, die, wenn sie nicht genug Infos online fand, selbst „kreativ“ wurde. Inzwischen werden die Texte wieder von Menschen verfasst.
Mich hat die Geschichte dazu veranlasst, die Vermarktung meines Buches zu überdenken:
- Beim Vertrieb über Epubli ist das Buch zwar überall erhältlich, ich habe jedoch keine Kontrolle über die Kanäle und bekomme selbst nur ca. 89 Cent pro verkauftem Print-Exemplar, etwas mehr beim E-Book.
- Die Konkurrenz auf den großen Plattformen ist durch KI stark gestiegen. Da gibt es „Autoren“, die innerhalb von einem Monat 37 Kochbücher zu den verschiedensten Themen veröffentlichen: mit schön bunten, recht ansprechenden Covern, lieblos zusammengestellten Texten im Buch und – bei Printbüchern – ohne Bilder, um die Druckkosten niedrig zu halten. Mein mit viel Herzblut erstelltes Buch neben diesen „Werken“ zu sehen, macht mich traurig.
Einige seriöse Verlage sind nun wieder dazu übergegangen, E-Books nicht mehr über die Plattformen, sondern über die eigene Website zum Download anzubieten.
- Nachdem sich auf Amazon jemand über die schlechte Bindung des ansonsten guten Buches beklagt hat (ohne dass ich eine Möglichkeit hatte, denjenigen zu kontaktieren und Ersatz anzubieten), hat kaum noch jemand die Printausgabe gekauft.
Daher habe ich den Vertrag mit Epubli nun gekündigt. In Zukunft will ich die Bücher als E-Books (PDF und Reader) selbst über meine Website anbieten. Die Konvertierung ins epub-Format habe ich vor Jahren (mit Jutoh) eh schon selbst erledigt . Um steuerrechtlich alles richtig zu machen, werde ich wahrscheinlich Xinxii oder digistore nutzen.
Fortbildung zu Neurodivergenz
Ein ganz anderes Thema: Meine Fortbildung am KUI in Malmö hat begonnen. Jeden Mittwoch lerne ich nun mehr darüber, wie man Kindern und Jugendlichen mit Neurodivergenz bei ihrem Weg durch die Schule helfen kann. Total interessant und sehr viel spannende Kursliteratur!
Vieles ist nicht nur in der Schule, sondern auch in der Erwachsenenbildung und ganz allgemein beim Umgang mit Menschen verwendbar. (Zum Beispiel, dass unter Stress sowohl die Aufnahme von verbaler Information als auch die verbale Produktion gestört sein können und visuelle Info-Stützen für alle Menschen Gold wert sind.)
Und sonst?
- Unser Apfelbaum trägt wieder viele Früchte. Wir haben einen sogenannten familjeträd mit vier Sorten auf einem Baum. Dummerweise ist bei der Pflanzung vor vielen Jahren die am stärksten wachsende Sorte in Richtung Südwesten gelandet, nun hat der Baum etwas Schlagseite. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, jedes Jahr Unmengen von Äpfeln zu produzieren. Die Gemüseernte war dieses Jahr leider mehr als bescheiden.
- Seit ein paar Wochen gibt es auf der Startseite und im Sprachblog den schwedischen Spruch der Woche mit Aussprache und Erklärung. In meinem Newsletter bekommst du regelmäßig eine kurze Zusammenstellung.
- Veröffentlichte Blogartikel im September:
Laxpudding – cremiger Lachsauflauf.
Mit fertigem Räucherlachs oder Graved Lachs schnell und einfach zubereitet.
Hallongrottor – schwedische Himbeerkekse
Schwedische Kommt-drauf-an-Wörter Teil 1: fahren, spielen und schneiden
- Ausblick auf den Oktober:
Im Blog gibt es im Oktober ein Update zum Zimtschneckenrezept und schwedische Apfelkuchenrezepte. Am 4. Oktober ist in Schweden nämlich ganz offiziell „Tag der Zimtschnecke“ (kanelbullens dag) und die Ernte vom Apfelbaum muss ja verwertet werden …
Edit vom 3. Oktober: hier geht es zum Rezept für leckere Apfel-Zimtschnecken mit Marzipan.
Außerdem will ich im Sprachblog Artikel zu typischen Dingen schreiben, die Deutschen beim Schwedisch-Lernen schwerfallen. Dazu gehören z. B. die Aussprache des langen und kurzen „a“ und die richtige Verwendung der Possesivpronomen sin und hans.
🙂Nichts verpassen: Melde dich zu meinem Newsletter an und du erfährst, wenn es hier etwas Neues gibt!
Ich wünsche dir einen wunderschönen Oktober!







Schreibe einen Kommentar